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Novellen / von Fr. Seybold
Entstehung
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er die heilige Auſtriclinia von den Todten erweckte, und die fünf Brode und die zwei Fiſche unſers Herrn und Heilandes, womit er das hungernde Volk in der Wildniß ſpeiſete. Von dieſer Zeit an war das Gehölz, längs deſſen Saume hin die Savre ihre ſtillen Flu⸗ then wälzt, ein heiliger Hain, in deſſen nächt⸗ lichen Schatten die Jungfrau Maria und an⸗ dere liebe Heilige herabſtiegen, das Auge der Gläubigen durch die Strahlen ihres himmliſchen Glanzes und das Ohr der Getreuen durch den Lobgeſang der heiligen Engelein zu erquicken. In der Mitte dieſes Waldes ſtund eine alte Eiche mit mächtigem Stamm und weitverbrei⸗ teten Zweigen, in deren Schatten, wie die Legende erzählt, zur Zeit des böſen Kaiſers Nero, St. Marcial ſaß, und um ihn her in der Wildniß die verfolgten Chriſten, das göttliche Wort aus dem Munde des heiligen Mannes zu vernehmen. Von da an nannte das Volk dieſen Baum die Wundereiche, und von Mund zu Mund, von Geſchlecht zu Ge⸗ ſchlecht, pflanzten ſich Sagen fort von mannig⸗