Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
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um der göttlichen Barmherzigkeit willen, verrathen Sie ihn nicht!"

Es gibt eine Betonung, über deren Aechtheit man nicht in Irrthum gerathen kann wir meinen die, welche sich so zu sagen vom Herzen losreißt. Was in dieser Geschichte auch unerklärlich sein mochte, Lady Bell fühlte, daß ihre Dienerin die Wahrheit gespro­chen hatte. Das Uebrige mußte der Zeit, der großen Löserin aller Geheimnisse, anheimgegeben werden.

Obgleich sie vor ihrer Vermählung nur wenig in die Welt gekommen war, hatte sie doch genug von ihr gesehen, um zu wissen, daß bisweilen sehr ungleiche Ehebündnisse und wohl auch Beziehungen von unheiligerer Beschaffenheit eingegangen werden; einem derartigen Verhältniß glaubte sie die Geburt ihres Schüßlings zuschreiben zu müssen.

Ich sehe ein, Rosa, daß ich Euch in einem fal: schen Verdacht hatte," sagte sie ,,, und ich werde nicht so leicht wieder in denselben Irrthum verfallen. Wenn die Pflanze des Vertrauens auch nur langsam wächst, so besißt sie dafür eine um so größere Le­benstraft. Es ist wohl am besten, Ihr laßt Lillian bei mir. Ich erwarte Sir Charles in wenigen Mi­nuten; er kömmt gewöhnlich eine halbe Stunde vor dem Doctor, der uns Unterricht in der Hindusprache ertheilt."

Die noch immer ängstliche und zitternde Frau raffte die alten Kleider zusammen, welche Lillian bisher getragen hatte, und entfernte sich.

Vergeblich fragte jetzt die Lady Lillian über ihren Namen und ihre Herkunft aus. Die Kleine wußte nur, daß sie Lilly heiße und daß ihr Vater einen rothen