Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

233

Rock mit goldenen Dingern auf den Schultern ge= tragen, deren Namen sie vergessen hatte.

,, Gin Offizier," dachte Lady Bell. Dann aber entsann sie sich, daß in der Cavallerie auch die ge­meinen Soldaten Messingpanzer trugen, die ein Kind von so zarten Jahren leicht für Epauletten nehmen konnte.

Die Kleine erzählte nun, sie habe ihre Mama verloren und eine weite Reise über das Meer ge= macht; aber sie könne sich weder auf den Namen des Landes, in welchem sie gewesen, noch auf den des Schiffes besinnen, in welchem sie gefahren.

Lady Bell wußte nicht, was sie von alledem denken sollte. Die guten Zeugnisse ihrer Dienerin und ihr gutes Verhalten, seit sie dieselbe um sich hatte, ließ den Verdacht, sie dürfte bei einem Verbrechen betheiligt sein, nicht auffommen. Anders dagegen verhielt sich's mit ihrem Mann, und mit ächt weiblichem Justinkt fam die Dame zu dem Schluß, wenn etwas Unrechtes stattgefunden hätte, könne nur Mark der Uebelihäter gewesen sein, ob­schon vielleicht sein Weib eine unfreiwillige Zeugin war und ihr treues Herz. ihr verbot, etwas davon über ihre Lippen fommen zu lassen.

Der Umstand, daß Lillian an Gaukler verkauft worden war und in den Straßen tanzen mußte, ließ sich nicht bezweifeln, denn als Lady Bell darauf an­spielte, wurde das Gesicht der Kleinen todtenblas, und sie schauderte bei der Erinnerung an das Ent­setzliche, das sie durchgemacht hatte. Bet und die Peitsche, Fidler Dick und sein schreckliches Schielen traten wieder lebhaft vor ihre Seele.