— 200— ſcheiden und ſie als bloſſe Phantaſiegebilde zu betrachten und zu behandeln.—
Am Hochzeitstage ſagte der Freyherr zu ſeinem Sohne und der Braut:„Kinderchen, ihr ſeyd brav und gut, ich wuͤßte Nichts an Euch zu tadeln, aber eine Bitte haͤtte ich wohl!l—— Wenn ich poltere, oder einmal laut oder haſtig rede, denkt nicht gleich es gehe nun auf Morden und Umbringen, ſondern habt Geduld mit eurem alten Vater und verzagt nicht und werdet nicht empfindlich! Seht, ich will euch ein Bey⸗ ſpiel geben! Waͤreſt Du, Herrmann, nicht gleich em⸗ pfindlich oder furchtſam geworden, als ich Dir den Brief ſchrieb, der doch Nichts enthielt als eine ernſte Mahnung an Wort und Pflicht und Du haͤtteſt mir Vertrauen geſchenckt, oder Dich geradezu, etwa durch mich, an Deine damalige Braut gewandt, ſo wuͤrde uns Allen gar viel Verdruß, Gefahr und Sorge er⸗ ſpart worden ſeyn. Denn ſo wenig ich eine bloſſe Ca⸗ price billigen konnte, wofuͤr ich es doch halten mußte, wenn ein junger Mann ein Maͤdchen wie die Graͤfin verſchmaͤht, ſo wenig wuͤrde ich— anders gehandelt haben, als ich nun wirklich gehandelt habe und mit der Manier eines alten Mannes, der Euch herzlich lieb hat,— verfahret gnaͤdig!«— Unſer Senator aber zog ſeinen Sohn auf die Seite und ſagte:„wenn Du, mein lieber⸗ trefflicher, hochbegnadigter Sohn, wie ich


