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vielmehr, es war der Kitzel des Ehrgeizes, die verlockende Syrene, Herrſchergewalt, die unter dem Hermelinmantel ſowohl als unter dem Prieſterkäppchen wohnen mag. Es war unfehlbar der gekränkte Ehrgeiz unſerer Prieſterſchaft, die an dem Ausbruche und der Fortführung der Revo⸗ lution eine der Haupturſachen mit iſt; die fetten Pfründen der Domkapitel, der Bisthümer und der reichen Pfar⸗ reien immer von Gachupins beſetzt ſehen zu müſſen, das war eigentlich die nächſte Veranlaſſung, warum Hidalgo losbrach. Mit Morelos iſt es derſelbe Fall. Wir neh⸗ men ihnen dieſen Ehrgeiz nicht übel, aber ſie dürfen es auch uns nicht mißdeuten, wenn wir es unter unſerer Würde halten, unter Prieſtern und mit Prieſtern zu fechten. Wir lieben und achten die Diener der Religion; aber wohlverſtanden, immer nur als unſere Werkzeuge, die uns mithelfen den Pöbel zu bezähmen; aber ſie woll⸗ ten ſelbſt Meiſter werden, und wir kündigten ihnen den Krieg an, oder vielmehr wir verhielten uns paſſiv— und ſie ſanken— was ganz natürlich war.
Dieſe inhaltſchweren Worte waren wieder ganz mit der ruhigen Gelaſſenheit des klar beſchauenden Weltman⸗ nes geſprochen, und die Cavaliere verſanken in tiefes Nachdenken; denn was ſie ſo eben gehört, mochte als der Schlüſſel zur großen Tragödie, die durch den Prie⸗ ſter Hidalgo aufgeführt worden, ganz füglich angeſehen werden.
Der Conde R— a unterbrach endlich die lange Pauſe.


