Teil eines Werkes 
1. Theil (1835)
Entstehung
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Condeſſa zu, indem ſie ſich über das Engelsgeſicht hin⸗ bog und den kalten Schweiß von der Stirne küßte.

Zuweilen, murmelte die Duenna mit Thränen im Auge,ſchaudert ſie auf, zittert, dann ſchlägt ſie die Augen auf und ſtarrt und ſtarrt, als ob ſie ein Geſpenſt ſähe. Sie ſpricht auch mit ſich ſelbſt. Eile, eile glänzendes Segel, eile, führe ihn hinweg, leichtes ſilbernes Segel vom unglückſeligen Mexico zur Bahn des Ruhmes, lispelte ſte im befehlenden Ton, und dann ſprei⸗ tete ſie die Arme aus, als wollte ſie jemanden aus den Klauen eines Ungethümes erretten. Wieder betet ſie, warnt vor den Gachupins; ſelbſt verwünſcht hat ſie die Gachupins. Heilige Jungfrau! mich wundert nur, wo ſie die Verwünſchungen gelernt hat. Der Engel kannte nichts als Beten.

Gerade als Anſelmo uns verließ, fiel Sancheca wieder ein,erhob ſie ſich, und ging mit geſchloſſenen Augen im Zimmer umher, ergriff den Armleuchter und ſuchte in allen Ecken. Sie ſtarrte uns alle an, als ob ſie uns nie geſehen hätte, und dann ſtieß ſte den Arm⸗ leuchter wieder weg, kreuzte ihre Händchen auf dem Bu⸗ ſen, und bat ſo flehentlich, ein Stein hätte ſich ihrer erbarmen mögen. Aber ſie konnte dieſe Anſtrengung nicht aushalten, und wäre geſunken und gefallen, hätten wir ſie nicht aufgefangen.

Du haſt vergeſſen, rief Bettina, ein zweites Kammermädchen,was ſie ſprach, als ſie ſo im Ka⸗