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flüſterte Don Pinto dem alten Manne in die Ohren. „Zum Teufel mit deiner alten Weiberfrömmigkeit.”
„Geſpenſt der Nacht und der Hölle! Alle guten Geiſter loben Gott den Herrn;“ kreiſchte der Mayor domo, der zurückſchaudernd an den Conde ſtieß, welcher, in ſeinen Schlafrock gehüllt, vorüber in den rechten Flü⸗ gel zu den Gemächern der jungen Condeſſa ſchritt.
„Gott und alle Heiligen!“ wehklagte der alte Mann ſeinem Herrn.„Sie liegt noch immer in Ohnmacht, un⸗ bewußt alles deſſen, was um ſie her vorgeht;”“ und er faltete ſeine Hände zuſammen.
Der Graf trat in das Kabinet, und die Vorhänge des Bettes öffnend, ſchaute er mit bekümmertem Blicke auf das Engelsgebilde, das weißer denn die Linnen, die es verhüllten, da lag, ob ſchlummernd oder verblichen, würde beim erſten Anblick ſchwer zu errathen geweſen ſein.
Gleich einer Alabaſterſtatue von griechiſcher Hand gemeiſelt, lag ſie hingegoſſen, eine Viſion ohne Athem, ohne Bewegung. Erſt nach langen Zwiſchenräumen öff⸗ neten ſich ihre bleichen Lippen, zitterten einige Sekunden leblos und unwillkürlich wie die Blätter vom Hauche des Windes gerüttelt, und ſchloſſen ſich wieder ſo willen⸗ los wie dieſe zur Erde fallen.
„So dauert es jetzt ſchon geſchlagene zwei Stun⸗ den;“ wisperte Sancheca, die Doncella,*) der jungen
*) Kammermädchen.


