Teil eines Werkes 
1. Theil (1835)
Entstehung
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rothen Streifen ſeines ſchneeigen Hauptes gleich feurigen Flaggen ſich um ſeine hehren Crater legten. Dann be⸗ gann ein mattes blaſſes Licht zuerſt über die Koppen der Tenochtitlan⸗Gebirge herüber zu brechen, und im Zwie⸗ lichte tauchten ſie auf, eine nach der andern; aber die Stadt lag noch in Finſterniß und Schlaf begraben, und nichts unterbrach die Todtenſtille als das Vigilancia der Schildwachen und das Raſſeln der Todtenkarren, welche die in der Nacht entſchlummerten Leperos in ihre enge Wohnung oder die Hauptwachen abführten. Es war eine eigene Stille, dieſe Stille der Tauſende, dieſes Todtenleben, bewacht von den Wächtern des ertödtenden Despotismus. Am See Chalco und ſeinem Kanale fieng es dann an ſich zu regen, und hunderte von Canoes flo⸗ gen im Schatten der weichenden Nacht über den mehr und mehr erglänzenden Waſſerſpiegel dem engen Kanale zu, begleitet von dem Morgengeſange der Indianerinnen und den Guitarrentönen ihrer Männer.

Jeſu Maria und alle Heiligen, halb fünf Uhr! jammerte der Mayor domo, der eben vom rechten Flügel gekommen war, ihm nach mehrere weibliche Diener, die auf den Zehen einhertrippelten, Schrecken auf ihren Ge⸗ ſichtern.Halb fünf Uhr! jammerte der alte Diener, noch eine Stunde horch die Glocke von der Kathe⸗ dralkirche die Stunde, in der der Erzbiſchof die Meſſe anſagte, iſt ja noch nicht gekommen. Wird er gehen?

Er iſt ſchon gegangen, aber nicht zur Meſſe;