Teil eines Werkes 
1. Theil (1835)
Entstehung
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XI

nicht wogende Felder, nicht ſanft dahin rieſelnde Quel⸗ len oder majeſtätiſche Ströme, die wir ſchauen; das Auge erblickt nur ungeheuere, ſchauerliche Felſenmaſſen, gräuliche Klüfte, entſetzliche Abgründe, die aus den furchtbarſten Höhen in die Tiefen des Erdballes hineingähnen, und aus denen der Donner der Kataracte heraufbrüllt wie Schlachten⸗ donner. Die Natur trägt hier den Charakter des wilde⸗ ſten Stolzes, der bizarrſten, furchtbarſten Kraft, und wieder einer unbeſchreiblich trägen Indolenz. Es iſt dieſes Land die Poeſie der weſtlichen Hemisphäre, das poetiſchſte Land der Erde. Selten einer jener ſanfteren Uebergänge, in de⸗ nen ſich die proſaiſchere Natur in andern Ländern ſo ſehr gefällt, nur Spuren gewaltſamer Revolutionen, und ſchnell auf einander folgender Cataſtrophen, häufig nicht mehr als einen Steinwurf von einander entfernt, bei jedem Schritte Spuren der gewaltſamſten Umwälzungen, der un⸗ natürlichſten Kämpfe.

Aber auch mit jedem Schritte, den wir in das Innere dieſes merkwürdigen Landes thun, mit jedem Felſenblocke, den wir hinanklimmen, werden uns auch die Schickſale deſſel⸗ ben, ſein räthſelhaftes Verhängniß, klarer, begreiflicher; der Zuſammenhang der phyſiſchen und moraliſchen Geſtaltung deſſelben, erſcheint uns deutlicher. Wir ſehen, wie die Na⸗ tur ſo rieſenartig, ſo groß, ſo ſcharf, ſo bizarr, ſo energiſch, und hinwiederum ſo zurückſtoßend, flach, träge und ge⸗ mein, dem Menſchen die Bahn gezeigt hat, ihm Vorbild geworden iſt, ihn mit fortgeriſſen hat zu Erſchütterungen,