— 26—
Die gegenſeitige Begrüßung war nicht ohne Würde und hatte noch ein beſonderes Intereſſe durch den Kon⸗ traſt der ſich hier ſo auffallend zeigte. Nichts konnte wirklich einen ſtärkern Gegenſatz mit dem vertrockneten, hagern Miko bilden, der einem verwitterten Rieſenſtamme glich, ſtarr, ſchweigſam und melancholiſch da ſtand, und dem offenen männlich würdevollen und doch wieder ſo ſanften jungen Häuptling der Cumanchees. Sein ovales Haupt war mit einem maleriſchen Hauptſchmucke von Fe⸗ dern und Fellwerken bedeckt, ſeine gewölbte Stirn und blühendes Angeſicht von leichter Kupferfarbe, ſchien die wilde Kriegsfarbe ſeiner Gefährten zu verſchmähen; ſeine ausdrucksvollen, glühend ſchwarzen Augen mit der edeln Römer⸗Naſe waren im ſchönſten Einklange mit ſeiner männlich gediegenen Geſtalt, die durch ſeine Kleidung und Bewaffnung ſehr hervorgehoben wurde.
Seine Bruſt bedeckte ein Wamms von blauen Fuchs⸗ fellen und von ſeinem Rücken hing eine Pantherhaut her⸗ ab, die, mit goldenen Spangen an ſeinen Schultern be⸗ feſtigt, eine Form ſehen ließ, die Thorwaldſon oder Ca⸗ nova entzückt haben würde. Es war eine herrliche Ge⸗ ſtalt männlicher Schönheit, frey, rein und unverdorben aufgeſproſſen in den entzückenden Fluren Mexicos, und in der Mitte eines mächtigen Volkes, das außer dem großen Geiſte keinen Meiſter erkannte. Ein Dolch mit Griff von gediegenem Golde ſtak in ſeinem Gürtel, ein kurzer Stutzer und eine neun Fuß lange Lanze, an wel⸗


