Teil eines Werkes 
7. Theil, Morton oder die große Tour : in zwei Theilen : 1. Theil (1846) Die große Tour
Entstehung
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literatur beſitzt gleichfalls Werke zu Dutzenden, die im Grunde nicht weuiger unſittlich ſind; aber dieſe Schrift⸗ ſteller, mit aller ihrer Erbärmlichkeit, bergen doch das Laſter, verſchleiern es, und bringen ſo, mit Rochefaucault zu ſprechen, der Tugend die Huldigung des Laſters; die öffentliche Meinung zwingt ſie dazu, und dieß iſt ein wenig⸗ ſtens nicht ganz zu verwerfendes Surrogat. In Amerika oder England würde ein Werk, wie das ſo eben beſprochene, den Autor, und ſtände er noch ſo hoch, proſcribirt haben, und wäre er ſelbſt Byron geweſen; man würde es ihm als eine Nationalentwürdigung ſchwer oder nie verziehen haben.

Ich kenne wieder keinen Schriftſteller, der von der Hei⸗ ligkeit ſeines Berufes mehr durchdrungen geweſen wäre, als Walter Scott es in ſeinen erſten dreizehn Romanen war, worunter ich natürlich ſeine ſechs Tales of my Landlord, Ivanhoe, Rob Roy, Waverley, Guy Mannering, the Antiquary, Woodstock, und den herrlichen Roman, in dem die unglückliche Amy Leiceſter ſo unübertrefflich gezeich⸗ net iſt, verſtehe. Welche Selbſtachtung, welche Achtung für das Vaterland weht nicht durch dieſe Werke! Wie meiſter⸗ haft weiß er uns nicht ſelbſt mit ſchottiſcher Engherzigkeit zu verſöhnen! Wie unubertrefflich ſind nicht ſeine weiblichen Charaktere! Welch' eine Zartheit, Reinheit, hohe Sittlich⸗ keit, z. B. in der ältern Deans! Mit welchem Meiſtergriffel iſt nicht eben die Huldigung, die die jüngere Deans der Tugend zu bringen bemüßigt iſt, dargeſtellt! Wie furchtbar zieht ſich nicht die zerfreſſende Heuchelei eines verfehlten weiblichen Daſeyns durch ihr elendes glänzendes Leben hin! Der Verfaſſer der Briefe eines Verſtorbenen ſagt irgendwo,