Papier hingeworfen, ſo zart und wieder ſo kräftig, ſo wild und ſo fein, einem Geiſte, der, möchte ich ſagen, ſo ſpielend ins Göttliche und wieder Teufliſche eingedrungen iſt, als Einem die Welt und ſich ſelbſt vergeſſen macht. Man ſieht, daß die Bruchſtücke, aus denen dieſer genialſte aller Torſos beſteht, zu verſchiedenen Zeiten entſtanden, daß der Autor ſich mit dem eigentlichen Plan nur wenig Mühe gegeben, daß der Faden, der dem Ganzen Einheit verleiht, zart durch daſſelbe ſich hinzieht; aber gerade das iſt das Schöne des Werkes, denn nichts iſt dem Leſer peinlicher, als die zu Tage liegende Mühſeligkeit des Autors. Man glaubt, den Satan Hiobs, Anklänge von Youngs nächtlicher Muſe zu hören, aber ſie ſind es nicht; es ſind die herrlichſten, origi⸗ nellſten Leierklänge, die ie durch Apollos Harfe tönten.— Schade, daß dieſes Meiſterwerk ſo unüberſetzbar iſt; die vier engliſchen Ueberſetzungen, die bisher erſchienen ſind, zeigen nur, wie wenig die Ueberſetzer den durch das Ganze wehenden Geiſt aufgefaßt haben. Es iſt dieſer Fauſt unſtreitig das glänzendſte Geiſtesprodukt, das ſeit Shakespeares und Mil⸗ tons Dichtwerken erſchienen iſt, und Lord Byron hat keines geliefert, das ihm die Palme ſtreitig machen könnte; denn in Byron beleidigt uns der gräßliche Egoismus, der im Zerrblicke aus jedem ſeiner Werke hervorleuchtet, und uns immer und immer wieder ſeine Individualität zu ſchauen bemüſſigt. Von dieſer Individualität merkt man bei Göthe wieder nichts, höchſtens eine gewiſſe epikuräiſche Indolenz, oder einen indolenten Epikuräismus, wie Sie es nehmen, der ihm zuweilen ungemein wohl anſteht, zuweilen beleidigt. Man ſieht, daß er à son aise iſt, ein allſeitig gebildeter, tief in alle Zweige des menſchlichen Wiſſens eingedrungener,
Teil eines Werkes
7. Theil, Morton oder die große Tour : in zwei Theilen : 1. Theil (1846) Die große Tour
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