Teil eines Werkes 
7. Theil, Morton oder die große Tour : in zwei Theilen : 1. Theil (1846) Die große Tour
Entstehung
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verdrängte, die die Toiletten unſerer Damen bedeckten und ihnen die Köpfe verdrehten. Dieſe geiſtig ſo wohlthätige Revolution, die Walter Scott vorzüglich in den beiden Schweſterreichen bewirkte, kann nur Derjenige einigermaßen würdigen, der das engliſche Volk und beſonders ſeine Mit⸗ telklaſſen vor dem Erſcheinen der Walter Scottiſchen Werke gekannt, und ſie ſo mit dem heutigen zu vergleichen im Stande iſt. Ich habe England zu dieſen verſchiedenen Zei⸗ ten beſucht, und obwohl damals noch ſehr jung, ſteht mir doch John Bull vom Jahre 1816 und 1817 noch lebhaft vor Augen. Er war ganz das Bild, wie es Washington Irwing ſo unübertrefflich in ſeinem Skizzenbuche ſchildert, eine Schilderung, die auf den heutigen Engländer nicht ganz mehr paſſen würde. Zu ſeiner Umwandlung, und ge⸗ wiß vortheilhaften Umwandlung hat anerkanntermaßen Walter Scott mehr beigetragen, als irgend ein Schriftſteller der neuern Zeit, und die engliſche Nation ehrt ſich nicht weniger als das Schweſterreich dadurch, daß ſie ihn nach Shakespeare für ihren kräftigſten ſchönwiſſenſchaftlichen Geiſt erklärt. In der Mannigfaltigkeit ſeiner Charaktere

iſt ihm nur Shakespeare überlegen, in der ruhig klaren

Weltanſchauung erreicht ihn nur ſein Zeitgenoſſe, der deutſche Göthe.

Es hat dieſer Letztere wieder Etwas, das ihm eigen⸗. thümlich iſt, Etwas, das ihn, wie ächten, zweimal die Linie paſſirten Madeira, zu einem wahren Wolluſtſchlürfen macht. Ich meine natürlich ſeinen Fauſt. Mir kömmt dieſer Torſo vor wie jener Wein, der durch die eigene Laſt der Trauben von der Kelter abſließt, ohne Preſſe, ohne Bemühung. Die klarſte, ruhigſte Weltanſchauung, mit einem Geiſte auf das

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