Teil eines Werkes 
3. Theil (1822)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 146—

gen eines Agnaten zu rauben, ließ Floren nicht glauben, daß es ihrem Bruder ein Ernſt ſeyn koͤnne, Miß Roſa's Hand zu verlangen. In ſeinem Kopfe gaͤhrten tauſend Befoͤrderungs⸗ plane; er gah ſogleich eine Idee wegen einer andern auf, die eben ſo unbeſtaͤndig war, wie das Gewoge der Wellen. Seine Phantaſie war eine wahre Laterna Magica; er wußte nie was er thun oder laſſen ſollte; ſeine Entwuͤrfe waren ſtets das Reſultat unvorausgeſehener Umſtaͤnde, die blitzſchnell entſtanden, und ſich wieder zerſtreuten. Nichts konnte den Unbe⸗ ſtand dieſes Proteus feſſeln.

Wiewohl ihrem Bruder innigſt zugethan, kannte Flora doch alle ſeine Fehler, die mit dem ehelichen Gluͤck unvereinbar waren. Sie fuͤhlte daß eine ſanfte, beſcheidene, gefuͤhlvolle Frau, je⸗ nes Gluͤck bey ihm nicht ſinden koͤnne, daß aus dem Austauſche ſtets wachſender Zuneigung, her⸗ vorgeht. Eduard ſchien ihr, trotz ſeines roman⸗ tiſchen Geiſtes, den er auf der Waffenbahn be⸗ wies, zum haͤuslichen Gluͤcke geboren. Er blieb edel und parteylos, wie immer, und begriff nichts von den Streitigkeiten uͤber thoͤrichte Anſpruͤche. Alles dieſes zeigte ihr in ihm den Mann, der ihre Freundinn, die mit ihr einen ganz gleichen Geſchmack hatte, gluͤcklich machen koͤnne. Sie