21 III.
Alle Verſuche, den lebloſen Koͤrper zu be⸗ ſeelen, blieben fruchtlos. Das Entſetzen, wel⸗ ches im Schloße Glenfern herrſchte, kann ge⸗ fühlt, aber nicht beſchrieben werden. Keine Em⸗ pfindung unſerer Natur iſt vielleicht ſo unbe⸗ ſtimmt, ſo verwickelt und ſo geheimnißvoll, als die, mit welcher wir die kalten Ueberreſte unſe⸗ res Nebenmenſchen betrachten. Die Wuͤrde, welche der Tod ſelbſt dem niedrigſten ſeiner Opfer verleiht, floͤßt uns eine Ehrfurcht ein, die kein lebendes Geſchoͤpf in uns zu erwecken vermag. Der Herrſcher auf ſeinem Throne ſcheint uns weniger erhaben als der Bettler im Sterbekittel. Die verſteinerten Zuͤge,— die kraftloſe Hand, — die ſteifen Glieder— ol wer vermag die Gefuͤhle zu ſchildern, die uns bei ihrem Anblick ergreifen? Hier iſt die Scheidewand unſerer Furcht und Hoffnungen, unſerer zaͤrtlichſten Lie⸗ be, und unſeres bitterſten Haßes. Iſt es moͤg⸗ lich daß wir jetzt vor der nemlichen Hand zu⸗ ruͤckſchaudern, die wir noch geſtern mit Liebe in die unſrige druͤckten 2. Iſt der Mund deſſen letz⸗ ten Toͤne noch in unſern Ohren klingen, auf ewig verſtummet? Sind dieſe Augen die uns ſo freundlich leuchteten, auf immer geſchloßen? Und wohin entfloh der Geiſt, welcher dieſen Erdklumpen beſeelte? Genießt er die hoͤchſte Gluͤckſeligkeit, oder iſt er zum ewigen verdammt? Iſt er Zeuge unſeres Schmerzens und theilt er


