6 3399 Natur hatte ſie reichlich begabt und, unter
der weiſen Leitung ihrer Tante, entwickelten ſich ihre Talente ſchnell, obgleich geraͤuſchlos. Ohne jemands Unterricht bei einem eigentlichen Tanz⸗ meiſter gehabt zu haben, war dennoch ihr Gang leicht, ihre Haltung gut und ihre Bewegungen anmuthig. Eben ſo wenig war Maria in den hoch verfeinerten Kuͤnſten des Geſangs unter⸗ richtet worden; ihre ſchoͤne Stimme und ihr rei⸗ ner Geſchmack erſetzten aber jenen Mangel. Die neuern Sprachen waren ihr vollkommen gelaͤufig, und obgleich keine Meiſterdand ihren Zeichnungen nachgeholfen hatte, ſo waren ſie dennoch nach den Regeln der Perhrestiöe und dem Studium der Buͤſte gefertiget.
Sogenannte boͤhmiſche Doͤrfer waren jedoch dieſe Kunſtuͤbungen fuͤr die Damen von Glenfern,
welche viele Bedenklichkeiten und Berathſchla⸗
gungen, uͤber Mariens unrichtig geleitete Er⸗ ziehung untereinander hatten. Nach ihrer Mei⸗ nung gab es nur ein einziges taugliches Erzie⸗ hungsſyſtem, und zwar das, nach welchem man ſie ſelbſt erzogen hatte, und nach dem ſie ihre Nichten wieder erzogen.
Jeden Sonntag wurde die Kirche beſucht, der Text fein behalten, und Achtung gegeben,
wer in der Kirche war und wer fehlte. Dann
mußte am Abend eine der Nichten ſtammelnd und ſtotternd eine Predigt vorleſen,— die ſchlech⸗ teſte Leſerin wurde„der Uebung wegen, jedesmal
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