„L'inutilité de la vie des femmes, est la première source de leurs désordres.“*)
Die Wahrheit dieſes Satzes leuchtete der klugen Pflegemutter vollkommen ein: auch war ſie uͤberzeugt, daß die bloßen egoiſtiſchen Sorgen und die gemeine Geſchaͤftigkeit des Lebens die unſterbliche Seele zwar beſchaͤftigen, aber nicht
befriedigen koͤnnen.
Ein Theil von Mariens Zeit wurde deshalb der Ausuͤbung hoͤherer Lebenspflichten gewidmet. Auf eine oder die andere Art, mußte ſie das Ungluͤck ihrer Nebenmenſchen zu lindern ſuchen, ohne deren Verdienſte zu genau pruͤfen zu wol⸗ len, oder auf ewige Dankbarkeit zu rechnen.
„Es iſt weit beſſer,“ dachte Mſtrs: Dou⸗
glas,„zuweilen von Andern hintergangen zu werden, als uns ſelbſt zu hintergehen. Die
Barmherzigkeit welcher man, aus Mangel an wuͤrdigen Gegenſtaͤnden, geſtattet unthaͤtig zu bleiben, oder die blos nach vollkommen Wuͤrdi⸗ gen trachtet, wird verroſten und unſere beſſere Gefuͤhle vernichten.“
So ſehr Maria ſich beſtrebte, den morali⸗ ſchen und religioͤſen Pflichten zu huldigen und ſie
auszuuͤben, ſo vernachlaͤßigte ſie dennoch nicht
die Kuͤnſte welche das Leben verſchoͤnern. Die
**) Das geſchaͤftloſe Leben der Frauen, iſt die er⸗ ſte Quelle ihrer Untugenden.


