Teil eines Werkes 
1. Bändchen (1826)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

15

Es ſcheint doch, als wären wir am Ziel unſerer Reiſe, antwortete Douglas mit er⸗ zwungenem Lächeln.Der Burſche beſteht darauf, dieß ſei Glenfern, obgleich ich es immer nöch nicht recht glauben kann. Iſt's wirklich Glenfern, ſo muß es ſich ſeit zwoͤlf Jahren ſeltſam geänhert haben.

Zu erſchrocken, um antworten zu koͤnnen, ſank Juliane blaß und ſprachlos in den Wagen zuruͤck, deſſen Stoße ſie aber ſo zu ſich ſelbſt brachten, daß ſie ihren Thränen und ihren Weh⸗ klagen freien Lauf laſſen konnte.

Der Poſtillon, glaubend, Juliane fuͤrchte ſich, den ſteilen Huͤgel hinunter zu fahren, ver⸗ ſicherte treuherzig, es duͤrfe ihr nicht hange ſeyn, denn es gaͤbe keine ſicherern Beſtien weit und breit. Wie der Blitz ſolle ſie vor dem Schloß⸗ thore ſitzen, denn das ginge uͤber Hals und Kopf den Berg hinab.

Dem armen Douglas gelangen ſeine Ver⸗ ſuche, die hochgeborne Gemahlin zu beſaͤnftigen, nicht beſſer, als dem Poſtillon ſeine wohlgemein⸗ ten Troſtſpruͤche. Fruchtlos glitten die ſußeſten Schmeichelreden und die zaͤrtlichſten Liebkoſungen an der empoͤrten Gattin ab. Fruchtlos erinnerte er ſie an die Zeit, in der ſie ihm ſo oft verſi⸗ cherte, vergnuͤgt mit ihm in einer Wuͤſte leben zu wollen. Bittere Vorwuͤrfe ſeiner Hinterliſt und ſeiner Falſchheit waren die einzigen, von

Thraͤnenſtroͤmen und hyſteriſchem Schluchzen