61
durch eine gewölbte Thuͤre in dieſen Ort des Elends, worin ſich Beil und andre Werkzeuge zur Hinrichtung großer Staatsverbrecher finden. Vor dieſer Thüre wurde eine Art Marmoraltar geſetzt, worüber ſich die Bildſaule des unglücklichen Crispus befand. Dieſe Bildſänle war von Gold, und man las darüber die denkwürdige Inſchrift:„Meinem So hne, wel⸗ chen ich unbedacht ſam verdammt⸗ und mit Uebereilung habe hinrichten la ſſen.“ Beim Baue dieſes Altars that Conſtantin das Ge⸗ lübde, ſowohl für ſich als für ſeine Nachkommenſchaft, daß der regierende Kaiſer ſich bei der Bildſäule des Crispus jedes Mal ſtellen ſollte, wenn ein Mitglied ſeiner Familie zur Hinrichtung geführt würde, und zwar ehe daſſelbe aus dem Gerichtsſaale in die Toden⸗ kammer ginge, damit er ſich perſönlich von der Wahr⸗ heit der Anklage, die das Todesurtheil bewirkt hatte überzeugen koͤnnte.
„Die Zeiten ſind verfloſſen.— Man gedenkt des Conſtantin faſt wie eines Heiligen, und die Achtung, welche man vor ſeinem Andenken hegt, hat die Er⸗ zählung von dem Tode ſeines Sohnes im Dunkel ge⸗ laſſen. Die Staatsbedurfniſſe haben es unmoͤglich gemacht, eine Bildſaͤule von ungeheurem Werthe, die auſſerdem das unangenehme Andenken an den Fehler eines großen Mannes erneute, zu bewahren. Die Vorgaͤnger Ew. kaiſerl. Maj. haben das Metall
derſelben zur Beſtreitung der Kriegeskoſten gegen die


