60 dern ſelbſt ein verdienſtvoller und herangewachſener Sohn von ihm, welcher beſchuldigt worden war, daß er nach der Theilung der Herrſchaft mit ſeinem Va⸗ ter trachte, wurde plötzlich um Mitternacht aufgefo⸗ dert, auf die ſchwere Anklage des Hochverrathes zu antworten. Ihr werdet mir es gerne erlaſſen, euch die Kunſtgriffe zu erzählen, vermittelſt welcher der Sohn in den Augen des Vaters als ſtrafbar darge⸗ ſtellt wurde. Ich brauche euch nur zu ſagen, daß der
ungluͤckliche Prinz als Opfer des Verbrechens ſeiner
Stiefmutter Fauſta fiel, und daß er es verſchmähte, ſich wegen einer ſo falſchen und unnatürlichen Ankla⸗ ge zu rechtfertigen. Man ſagt, daß der Zorn Con⸗ ſtantin's gegen ſeinen Sohn durch Schmeichler unter⸗ halten wurde, die ihm bemerklich machten, daß Cris⸗ pus es ſelbſt verſchmäht hätte, ſeine Gnade anzuru⸗ fen, oder ſich wegen eines ſo gräulichen Verbrechens zu rechtfertigen.
Aber kaum hatte der Tod dieſen unſchuldigen Prin⸗ zen getroffen, ſo erhielt ſein Vater den Beweis, daß er mit zu großer Uebereilung gehandelt habe. Er war damals gerade beſchäftigt, die unterirdiſchen Theile des Blakernal⸗Pallaſtes bauen zu laſſen, und er beſchloß, ein Denkmal ſeines väterlichen Kummers und ſeiner Gewiſſensbiſſe hineinzuſetzen. Oben an
der Treppe des Acheronbrunnens ließ er einen großen
Saal bauen, welchen man noch den Gerichtsſaal nennt, und worin die Hinrichtungen geſchehen. Man tritt


