59 unterſtützen könnte, vielleicht auch etwas von Neugier⸗ de gereizt, die ſelten im Herzen eines Weibes ſchläft, ſelbſt wenn die ſtärkſten Leidenſchaften im Kampfe ſind.
Der Patriarch wird es euch ſagen, antwortete Ale⸗ rius, wenn ihr es dann durchaus wiſſen wollt; aber ich bürge euch dafuͤr, daß eure Gründe aus dieſer dummen Sage keine Unterſtützung ſchöpfen werden..
Höret ſie doch an, ſagte der Patriarch; denn ob⸗ gleich ſie alt iſt, und obgleich man bisweilen annimmt, daß ſie aus der Zeit ſtammt, wo das Heidenthum noch herrſchte, ſo iſt es darum nicht minder wahr, daß es ſich um ein Gelübde eines griechiſchen Kaiſers handelt, und zwar um ein ſolches, das in der Kanz⸗ lei des wahren Gottes eingetragen iſt.
„Die Geſchichte, welche ich euch erzählen werde, fuhr er fort, bezieht ſich nicht allein auf einen chriſt⸗ lichen Kaiſer, ſondern auf jenen Kaiſer, welcher ſein ganzes Reich zum Chriſtenthum bekehrte, auf jenen Conſtantin, der auch zuerſt Byzanz zur Hauptſtadt deſſelben machte. Dieſem durch ſeinen Glaubenseifer wie durch ſeine Kriegsthaten gleich ausgezeichneten Helden wurden vom Himmel wiederholte Siege und alle mögliche Wohlthaten bewilligt, nur nicht jene Eintracht in ſeiner Familie, welche die weiſeſten Män⸗ ner wuͤnſchen müſſen. Nicht nur der Segen der Ein⸗ tracht zwiſchen den Brüdern wurde der Familie die⸗ ſes Kaiſers mitten in ſeinem Triumphe verſagt; ſon⸗


