94 Kaiſer über ſeine Verzeihung und Begnadigung zu entſcheiden.
Fürchtet Richts von Alexius, erwiederte ihre Mut⸗ ter. Er wird mit feſtem entſchloſſenem Tone ſprechen; aber wenn er nicht in demſelben Augenblicke handelt, in welchem er ſeinen Entſchluß faßt, ſo darf man auf ihn nicht mehr rechnen als auf einen Schneeflocken bei Thauwetter. Sage mir, wenn du kannſt, was in die⸗ ſem Augenblicke der Kaiſer thut, und ich verſpreche dir, daß ich das Mittel finden werde, ihn auf unſere Seite zu bringen.
Ich ſoll alſo die Geheimniſſe verrathen, welche mir mein Vater anvertraut hat? fragte die Prinzeſſin; und zwar in Gegenwart Desjenigen, der noch vor Kur⸗ zem ſein erklärteſter Feind war?
Nenne das nicht Verrath, ſagte Irene, da geſchrie⸗ ben ſtehet: Du ſollſt Niemanden verrathen, am aller⸗ wenigſten deinen Vater, der der Vater iſt des ganzen Reiches. Indeſſen findet man auch in dem heiligen Lukas geſchrieben, daß die Menſchen werden verrathen werden von ihren Vaͤtern und ihren Brüdern, von ihren Verwandten und ihren Freunden, und folglich auch ohne Zweifel von ihren Töchtern. Aber ich will damit bloß ſagen, daß du von den Geheimniſſen deines Vaters nur ſo viel entdecken ſollſt, als wir davon zu wiſſen brauchen, um das Leben deines Gemahles retten zu roͤnnen. Die Noth entſchuldigt hier, was unter an⸗


