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deine Anlagen, deine Kenntniſſe über dein Herz mit der Glaͤtte auch Härte verbreitet? Wenn das iſt, ſo waͤre es hundert mal mehr werth, daß du allen jenen Vorzuͤgen entſagteſt, und an ihrer Statt jene ſanfte⸗ ren und haͤuslichen Tugenden bewahrteſt, welche für ein weibliches Herz am ehrenvollſten ſind. Ein Weibohne Mitleiden iſt ein ſchlimmeres Ungehener als ein Weib, welches aus jeder anderen Leidenſchaft ſein Geſchlecht vergeſſen hat.
Was ſoll ich thun? rief Anna aus. Ihr müßt veſſer wiſſen als ich, meine Mutter, daß das Le⸗ ben meines Vaters kaum mit dem Daſein dieſes ver⸗ wegenen und grauſamen Menſchen vertraͤglich iſt. O! ich bin überzeugt, daß er noch über ſeinen Ver⸗
ſchwörungsplan ſinnt! Wer ein Weib auf eine Weiſe
3 betrügen konnte, wie er mich betrogen hat, der wird gewiß nicht ſeinen auf den Tod ſeines Wohlthäters ge⸗ gründeten Plan aufgeben. Ihr ſeyd ungerecht gegen mich, Anna, ſagte Brien⸗ nes, ſich ungeſtüm erhebend, und drückte ihr einen Kuß auf ihre Lippen, ehe ſie Zeit hatte ſeine Abſicht gewahr zu werden. Bei vieſem Kuſſe, dem letzten vielleicht, den ich euch gegeben haben werde, ſchwöre ich, daß ich, welchen Thorheiten immer ich in meinem Leben nachgehängt haben mag, mich niemals des Ver⸗ rathes gegen ein Weib ſchuldig gemacht habe, welches alle anderen ebenſo ſehr durch ſeine Kenntniſſe und Aulagen, als durch ſeine Schönheit übertrifft. Ach! Ricephorus! antwortete die Prinzeſſin mit


