9¹ thaͤters würdeſt du die Wünſche deines ſtrafbaren Ehr⸗ geizes haben befriedigen können.
Möget ihr dieß glauben, antwortete der Cäſar; ich habe genug für ein Leben geſprochen, auf welches ich keinen Werth mehr lege, und nicht legen darf. Rufet eure Wachen herbei, und befehlt ihnen, dem unglück⸗ lichen Briennes das Leben zu nehmen, da er der Anna Comnena verhaßt geworden iſt, welche er ſo ſehr ge⸗ liebt hat. Fürchtet nicht, daß ich ihnen einen Wider⸗ ſtand leiſte, der meine Gefangennehmung zweifelhaft oder unheilbringend machen könnte. Nicephorus Brien⸗ nes iſt nicht mehr Cäſar, und er leget hier zu den Füßen ſeiner Prinzeſſin, ſeiner Gemahlin, das einzige ſchwache Mittel nieder, welches ihm noch übrig iſt, um der Vollziehung des gerechten Urtheils, welches ſie gegen ihn ausſprechen mag, Widerſtand zu leiſten.
Er legte ſeinen Säbel der Prinzeſſin zu Fuͤßen, während Irene bitterlich weinte oder ſich nur ſo ſtellte, und ausrief: ich habe dergleichen Auftritte geleſen, aber ich hätte nie geglaubt, daß meine eigene Tochter die Hauptrolle in einem ähnlichen Auftritte ſpielen wuͤrde! Hätte ich je denken können, daß in ihrer
Seele, welche ein Jeder als einen würdigen Tempel
des Apollon und der Muſen bewundert, kein Raum
für die beſcheidneren, aber bei einem Weibe liebens⸗
würdigeren Tugenden des Mitleidens und der Barm⸗ herzigkeit wäre, die in dem Buſen der ärmſten Baͤu⸗ rin eine Zuflucht finden? Haben deine Wiſſenſchaft⸗


