88 Ich werde es euch lehren, antwortete die Kaiſerin in ernſtem Tone; darauf führte ſie ihre Tochter zu einer Art Kleiderſchrank, welcher in der dicken Wand
angebracht war, ſie zog den Vorhang vor dem Ein⸗
gange hinweg, und zeigte ihr ihren ungluͤcklichen Ge⸗ mahl Nicephorus Briennes, welcher nur halbgekleidet war und in der Hand einen bloßen Saͤbel hielt. Die Prinzeſſin, welche ihn als einen Feind anſah, weil ihr ihr Gewiſſen einige Plaͤne in's Gedaͤchtniß rief, welche ſie gegen ihn waͤhrend dieſer Unruhen gebil⸗ det hatte, ſtieß einen ſchwachen Schrei aus, als ſie ihn ſo nahe mit einer Waffe in der Hand erblickte.
Seyd ruhig, ſagte die Kaiſerin, oder wenn dieſer Ungluͤckliche entdeckt wird, ſo iſt er ebenſowohl das Dpfer eurer eitlen Furcht, als eurer grauſamen Rache.
Dieſe Rede ſchien dem Nicephorus gelehrt zu ha⸗ ben, was er thun ſollte; denn er ſenkte die Spitze ſeines Saͤbels, warf ſich vor der Prinzeſſin auf die Knie, und faltete ſeine Haͤnde, um ihre Verzeihung zu erflehen.
Was kannſt du von mir verlangen? ſagte Anna, welche durch die Erniedrigung ihres Gemahles ver⸗ ſichert war, daß auf ihrer Seite die Gewalt waͤre; was kannſt du von mir verlangen, das verletzte Er⸗ kennrlichkeit, verrathene Liebe, die Verletzung der feierlichſten Geluͤbde und die Zerreißung der zarte⸗


