Teil eines Werkes 
6. Theil (1832)
Entstehung
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Zu der Zeit, wovon wir ſprechen, gab ein anderer, nicht minder auffallender als bewundernswerther Um⸗ ſtand jener Stadt einen neuen Reiz. Ein großer Theil naͤmlich von dem Heere, welches aus ſo verſchiedenen Völkerſchaften beſtand, und von den Ungläubigen die heiligen Orte in Palläſtina, namentlich das heilige Grab wiedererobern wollten, hatte ungefaͤhr eine Meile weit von Scutari ein Lager gebildet. Man ſah daſelbſt wenige andere Zelte als die von einigen hohen Anfüh⸗ rern; aber die Soldaten hatten ſich leichte Hütten gebaut, welche einen angenehmen Anblick darboten; ſie waren mit Laubwerk und Blumen geſchmückt, darüber wehten Ritterfahnen und Banner mit verſchiedenen Wahlſprüchen, und verkündeten, daß die Blüthe Eu⸗ ropa's ſich hier verſammelt fand. Ein verſchiedenarti⸗ ges Geſumm, ähnlich dem eines zum Schwärmen be⸗ reiten Bienenſtockes, drang aus dem Lager der Kreuz⸗ fahrer bis zur Stadt Seutari; und von Zeit zu Zeit wurde dieſes dumpfe Geräuſch durch hellere Töne, durch den Schall der Muſik, und die noch lauteren Schreie unterbrochen, welche Furcht oder Freude den Weibern und Kindern entlockte.

Bertha landete endlich; und als ſie einem kleinen Thore des Lagers nahte in der Begleitung des alten Soldaten und des Schiffsherrn, ſah ſie eine glaͤnzende Schaar von Reitern, von Edelknaben und Knappen, herauskommen, welche die Roſſe ihrer Herrn und die ihrigen ſpazieren ritten. Nach dem Geräuſche, wel⸗