90 ſtete.— Meine edle Tochter, ihr beſonders werdet das ganze Gewicht dieſes Unglücks empfinden, indem ihr lernen müßt nur mit Schrecken an den Mann zu denken, von dem ihr eurer Pflicht gemäß bis jetzt ganz anders denken mußtet.
Heilige Maria! ſchrie die Prinzeſſin.
Kommet zu euch ſelbſt, meine Tochter, ſagte der Kaiſer. Erinnert euch, daß ihr eine Tochter des Pur⸗ purgemaches ſeyd;— daß ihr geboren ſeyd, nicht um über die eurem Vater zugefügten Beleidigungen zu weinen, ſondern um ſie zu rächen;— daß ihr nicht halb ſo viel Werth ſelbſt auf den Mann, der euer La⸗ ger getheilt hat, legen duͤrft, als auf die kaiſerliche und heilige Größe, an welcher ihr ſelbſt Theil nehmet.
Was kann eine ſolche Rede bezwecken? fragte Anna Comnena mit Beſtürzung.
Man ſagt mir, antwortete der Kaiſer, daß der Cä⸗ ſar alle meine Wohlthaten mit Undank kohnt, obſchon ich ihn ſelbſt in meine Familie und an Kindesſtatt aufgenommen habe. Er hat ſich mit einer Rotte von Verräthern verbunden, deren Namen allein ſchon den böſen Geiſt heraufbeſchwören koͤnnten.
Iſt es möglich, daß Nicephorus alſo gehandelt hat? rief die Prinzeſſin überraſcht und beſtuͤrzt; Nicepho⸗ rus, der ſo oft meine Augen das Licht genannt hat, welches ſeinen Pfad beleuchtete? Hat er ſich auf dieſe Weiſe gegen meinen Vater betragen können, deſſen Großthaten er Tag für Tag anhörte, und dabei be⸗
————————


