74 daß eure Leidenſchaft für Uebungen, worin ihr euch auszeichnet, in eurem Herzen die kindliche Liebe und das eurem Geſchlechte eigenthuͤmliche Schicklichkeits⸗ gefühl zerſtört habe. Da ſie Beide in ihrem Ent⸗ ſchluſſe zu beharren ſcheinen, Madame, fuhr ſie fort, nachdem ſie einige Augenblicke gewartet hatte, um zu ſehen, welchen Eindruck ihre Rathſchläge auf den Geiſt der beiden Mädchen machen würden, ſo koͤnnte ich vielleicht, wenn ihr es erlauben wollt, einen Ausweg vor⸗ ſchlagen, welcher eure Wuͤnſche befriedigen, die Ge⸗ wiſſens⸗Zweifel meiner hartnäckigen Tochter beſchwich⸗ tigen, und den wohlwollenden Geſinnungen ihrer großmüthigen Gebieterin entſprechen würde. Die Dame von Aspramont bedeutete der Sächſiſchen Fran fort⸗ zufahren, und dieſe ſprach alſo weiter:— Die heuti⸗ gen Sachſen, meine theure Dame, ſind weder Hei⸗ den noch Ketzer; ſie gehorchen demüthig dem Pabſte in Rom ſowohl hinſichtlich der Zeit der Oſterfeier,
als in allen anderen ſtreitigen Punkten der Kirchen⸗
lehre; und euer guter hieſiger Biſchof weiß das ſehr gut, denn er hat es einigen eurer Diener verwieſen, welche mich eine alte Heidin nannten. Jedoch unſere Namen klingen für die Franzöſiſchen Ohren übel, und haben vielleicht etwas heidniſches an ſich. Wenn man daher nicht von meiner Tochter verlangt, ſich einer neuen Taufe zu unterwerfen, ſo wird ſie damit zu⸗ frieden ſeyn, ihren Namen Bertha abzulegen, ſo lange ſie in eurem ehrenwerthen Hauſe bleiben wird. Die⸗
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