68 leidenſchaftlichen Unterhaltung zwiſchen den beiden Liebenden, welche Unterhaltung ebenſo abwechſelnd war, wie ein Apriltag, und oft durch jene zarten Liebkoſungen unterbrochen wurde, die ſelbſt von der Schamhaftigkeit Liebenden geſtattet werden, wenn ſie ſich nach einer ewigſcheinenden Trennung unver⸗ hoft wiederfinden. Aber dieſe Geſchichte kann man in wenige Worte zuſammenfaſſen. Waͤhrend der Einäſcherung des Kloſters nahm ein alter Normaͤnni⸗ ſcher Ritter Vertha als ſeinen Theil an der Beute. Von ihrer Schoͤnheit ergriffen, beſtimmte er ſie zur Dienerin ſeiner Tochter, welche eben aus der Kind⸗ heit getreten war; er liebte ſie wie ſeinen Augapfel, denn ſie war ſein einziges Kind von ſeiner Gemah⸗ lin, und er war ſchon bei Jahren, als es dem Him⸗ mel gefallen hatte, ſein Ehebett zu ſegnen. Es war daher im natuͤrlichen Laufe der Dinge, daß die Dame von Aspramont, welche viel juͤnger als der Ritter war, ihren Gemahl beherrſchte, und daß ihre Toch⸗ ter Brunhilde Vater und Mutter beherrſchte.
Der Ritter von Aspramont wollte indeſſen ſeiner jungen Tochter den Geſchmack an paſſenderen Ver⸗ gnügungen für ihr Geſchlecht beibringen, als welche ſchon jetzt oft ihr Leben in Gefahr brachten. Der gute alte Ritter wußte aus Erfahrung, daß es nichts half ihr zu widerſprechen. Dagegen konnte der Einfluß und das Beiſpiel einer etwas älteren Gefaͤhrtin, als
ſie ſelbſt war, jenes Vorhaben beguͤnſtigen, und in


