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Wie es euch beliebt, Madame, ſagte Graf Robert. Nur wenigen Maͤnnern wuͤrde ich meinen Platz am Tiſche einräumen, wenn ich ſie nicht auf dem Schlacht⸗ felde mir vorausgeſehen haͤtte. Aber einer Dame, zumal einer ſo ſchoͤnen, trete ich gerne meinen Platz ab, und beuge vor ihr das Knie, wenn ich das Glück habe, ihr zu begegnen.
Anſtatt daß die Prinzeſſin Anna etwa Verlegen⸗ heit empfunden hätte bei der Verrichtung eines ſo ungewoͤhnlichen, ja, wie ſie haͤtte glauben koͤnnen, eutwuͤrdigenden Geſchaͤftes, indem ſie einen barbari⸗ ſchen Anfuͤhrer in den Speiſeſaal fuͤhrte; ſo fuͤhlte ſie ſich im Gegentheil geſchmeichelt, daß ſie einen ſo hartnaͤckigen Geiſt, wie den Grafen Robert, gebeugt hatte; vielleicht auch empfand ſie ein Gefühl befrie⸗ digter Eitelkeit, daß ſie ſich augenblicklich unter ſeinem Schutze befand.
Die Kaiſerin Irene ſaß ſchon oben an zur Tafel; ſie zeigte einiges Erſtaunen, als ihre Tochter und ihr Eidam⸗ welche ſich zu ihrer Rechten und Linken ge⸗ ſetzt hatten, den Grafen und die Gräfin einluden an ihrer Seite Platz zu nehmen, den Einen auf einem Polſter, die Andere auf einem Stuhle; aber ſie hatte von ihrem Gemahle den ſtrengſten Befehl erhalten, in jeder Ruͤckſicht den Fremden gefällig zu ſeyn, und daher hielt ſie es nicht an der Zeit, es mit den Foͤrmlichkeiten ſehr genau zu nehmen.
Die Grafin hatte ſich neben den Cäſar geſetzt, wie er ſie eingeladen hatte; aber auch der Graf, anſtatt


