Teil eines Werkes 
18. Band, Redgauntlet : eine Erzählung aus dem 18. Jahrhundert : 4. Bändchen (1826)
Entstehung
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und mir Statt finden ach, ich bin nur zu gewiß, daß

Ihr auf mich unwillig ſeyd, obgleich ich nicht einmal 5 muthen kann, we eßwegen; vielleicht denkt Ihr, ich ſey zu frei geweſen, daß ich den Beſuch bei Eurem Freunde

wagte. Aber erinnert Euch doch, daß es um Euretwillen geſchah, und daß ich keinen beſſern Weg wußte, Euch vor den Unfaͤllen und der Gefangenſchaft zu warnen, die Ihr erduldet habt, und noch erduldet.

Th ure Lady ſagte ſeine Erinnerung erweckend, und in der Vermuthung, daß er ſich vielleicht in ſeiner Befuͤrchtung geirrt habe, eine Vermuthung, wel ve ſeine Art, Lilias anzureden, dieſer ſogleich mit⸗ zutheilen ſchien⸗ denn ſie unterbrach ihn.

Lady! Theure Lady! ums Himmelswillen, fuͤr wen oder wab haltet Ihr mich denn?

Wäre die Frage in einem bezauberten Pallaſte im Feenland an ihn gerichtet worden, wo man auf alle mit der groͤßten Aufrichtigkeit antworten muß, ſo haͤtte Dar⸗ ſte gewiß erwiedert, er halte ſie fuͤr die frechſte und ul⸗ traliberalſte Dirne, welche je gelebt, ſeit Mutter Eva den Apfel, ohne ihn zu ſchaͤlen. Da er aber noch auf der ſchlichten Erde war, und Freiheit hatte, ſich ein wenig artiger auszudrücken, ſo antwortete er trocken,er glaube, die Ehre zu haben, mit der Nichte Mr. Red⸗ gauntlet's zu ſprechen.

Allerdings, erwiederte ſie;aber waͤre es nicht eben ſo leicht geweſen, wenn Ihr geſagt haͤttet, mit Eurer eigenen einzigen Schweſter?

Darſie fuhr guf in ſeinem Sattel, als haͤtte ihn eine Kugel getroffen.

Meine Schweſter! rief er aus.

Und Ihr nußtet dieß alſo nicht? ſagte ſie, ich fand Euern Empfang kalt und gleie Pgůltig!

Eine recht herzliche Umarmung fand jetzt zwiſchen ben beiden Verwandten ſtatt, und Darſte war jetzt ſo leichten Sinnes, daß er ſich in der That erleichterter fühlte, der Vertegenheit der letzten halben Stunde los zu ſeyn, waͤhrend welcher er ſich in Gefahr glaubte, von der Neigung einer zudringlichen Dirne verfolgt zu wer⸗