Teil eines Werkes 
2. Band (1822)
Entstehung
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XIV ſteller verwuͤnſcht, das Schreiben ins Feuer geworfen und die Ausgabe fuͤr Poſtgeid beklatzt; wogegen man in bei⸗ den Faͤllen ſo wenig an den Brieftrager denkt, als an den Schnee vom letzten Weihnachten. Die moglichſt große Austehnung des guten Vernehmens zwiſchen dein Autor und dem Publicum kann in Wahrheir nur darin beſtehen, daß die Welt geneigt iſt, etwas nachſichtig gegen die nach⸗ folgenden Werke eines vorheigen Lieblingsſchriftſtellers zu ſeyn, waͤte es auch bios aus Gewohnheit; wahrend der Verfaſſer von dem Geſchmacke derer, welche ſeinen fruͤ heren Erzeugniſſen jo freigebig Betfall zollten, natuͤrlich

eine gute Meinung hegt. Doch behaupte ich, daß keiner

von beiden Theilen dem andern Dankbarkeit im eigentli⸗ chen Sinne des Worts ſchuldig iſt. Capitain. Selbſtachtung ſollte Sie dann wenig⸗ ſtens Vorſicht lehren. Verfaſſer. Ja, wenn Vorſicht die Ausſicht auf Erfolg ſteigern koͤnnte. Aber die Wahrheit zu geſtehn,

gerade diejenigen Werke und einzelnen Stellen, worin

ich den größten Erfolg gehabt habe, wurden am ſchnell⸗ ſten zu Papier gebracht; und wenn einige andere in Ver⸗ gleichung mit ihnen, weniger gelobt wurden, ſo waren es gerabe ſolche, die ich am ſorgfaͤltigſten ausgearbeitet hatte. Ueberdies bezweifle ich, daß zu langes Zoͤgern beides, fuͤr den Autor und das Publicum eine wohlthaͤtige Wirkung äußern köunte. Man muß das Eiſen ſchmieden weil es warm iſt, und die Segel ſpannen wenn der Wind guͤnſtig

iſt. Wenn ein beliebter Autor nicht auf der Buͤhne bleibt,

ſo nimmt ein Anderer augenblich ſeine Stelle ein. Liegt er zehn Jahre brach, ſo ſticht ihn ein Andrer aus; oder iſt das Zeitalter ſo arm an Genie, daß dies nicht der Fall iſt, ſo wird der eigne Ruf ſein groͤßtes Hinderniß. Das Publikum erwartet dann, daß das neue Weik zehnmal beſſet ſevn wird, als das Vorletzte; der Autor erwartet, daß es zehnmahl populärer ſeyn werde, und es iſt hun⸗ dert gegen eins zu wetten, daß Beide ſich taͤuſchen. Capitain. Dies kann einen gewiſſen Grad von Schnelligkeit in der Herausgabe rechtfertigen. Aber im⸗

mer gilt das Sprichwort: Eile mit Weile, und Sie