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ſollten ſich wenigſtens Zeit nehmen Ihre Geſchichte zu ordnen.
Verfaſſer. Das iſt ein kitzlicher Punkt bei mir; zwar bin ich nicht thoͤrigt genug geweſen, die gewoͤhnli⸗ chen Vorſichtsmaßregeln zu verabſäumen; wiederholt er⸗ wog ich das jetzt im Druck befindliche Werk, theilte es in Baͤnde und Capitel, und ſtrebte, eine Goſchichtser⸗ erzaͤhlung zu entwerfen, die ſich allmählich und auf eine anziehende Weiſe entwickeln, den Leſer in Spannung und Neugier erhalten und mit einer uͤberraſchenden Cataſtro⸗ phe enden ſolte; allein ich glaube ein Däͤmon bemaͤchtigt ſich meiner Feder, wenn ich zu ſchreiben beginne und lei⸗ tet ſie von meinem Vorſatze ab. Charaktere erweitern ſich unter meiner Hand, Epiſoden vervielfalligen ſich,—“ der Stoff der Geſchichte waͤchſt an,— mein regelmaͤßi⸗ ges Gebaude wird zu einem regelloſen gothiſchen Bau⸗ werke, ſo daß mein Buch ſchon die beabſichtigte Lange erreicht hat, bevor ich zu dem mir vorgeſetzten Endpunkte gelangt bin
Capitain. Entſchloſſenheit und Selbſtuͤberwin⸗ dung kann dieſem Uebel vorbeugen.
Verfaſſer. Ach mein Beſter! Sie kennen nicht die Macht der Vaterliebe.— Wenn mir ein Charakter vorkoͤmmt, wie z. B. Bailie Jatvie, oder Dalgetty ſo erhellet ſich meine Einbildungskraft und wird auf jedenm Schritte, den ich in ſeiner Geſellſchaft zhruͤcklege, klarer, wenn er mich gleich von den regelmaͤß'gen Wege ablenkt und mich noͤthigt, uͤber Hecken und Graͤben zu ſpringen um auf die Hauptſtraße zuruͤck zu kommen. Widerſteh ich der Verſuchung, wie Sie mir rathen, ſo werden meine Gedanken proſaiſch, flach und ſchwerfaͤllig; kurz, es kommt mir in ſolchen Faͤllen vor, als wär' ich bezanbert.
Capitain. Nun wenn dem ſo iſt, ſo läßt ſich nichts weiter ſagen. Denn wen der Boͤſe treibt, der muß wohl gehen. Und dies, vermuth' ich iſt der Grund, weshalb Sie den Verſuch, für die Buͤhne zu arbeiten, wozu man Sie ſo oft bereden wollte, nicht gemacht haben. V erfaſſer. Ein hinreichender Grund, weshalb ich kein Schauſpiel ſchreibe, liegt darin„daß ich keinen


