191 ter Beſorgniſſe mitzutheilen, die vielleicht bloß in ihrer Einbildung gegruͤndet waren. Bei aller Ehrerbietung gegen den guten alten Mann merk⸗ te ſie uͤberdieß, daß er eben ſo hitzig, als ent⸗ ſchieden war, und es kam ihr zuweilen vor, als ob er ſeine Abneigung gegen jugendliche Beluſti⸗ gungen weiter triebe, als Religion und Vernunft es verlangen. Johanna ſah wohl ein, daß eine ploͤtzliche und ſtrenge Beſchraͤnkung der zeither ungebundenen Freiheit ihrer Schweſter eher Boͤ⸗ ſes als Gutes ſtiften koͤnnte, und daß Euphe⸗ mia in hartnaͤckigem jugendlichen Eigenſinn die Uebertreibungen in ihres Vaters Vorſchriften leicht als eine Entſchuldigung anſehen konnte, alle ſei⸗ ne Ermahnungen zu vernachlaͤßigen. Ind den hoͤ⸗ hern Staͤnden iſt auch das leichtſinnigſte Maͤd⸗ chen noch immer unter der Herrſchaft der Um⸗ gangſitte, und der Aufſicht der Muͤtter und Huͤ⸗ terinnen unterworfen; das Landmaͤdchen aber, das nur in den Feierſtunden frohe Augenblicke ergreift, ſteht nicht auf gleicher Weiſe unter Obhut und Zwang, und fuͤr ſie wird die Beluſtigung de⸗ ſto gefahrvoller. Johanna dachte mit großer Be⸗ kuͤmmerniß an alles dieß, als ein Umſtand ein⸗ trat, der ihre Unruhe erleichtern zu koͤnnen ſchien.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten


