Teil eines Werkes 
97. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 2. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
Einzelbild herunterladen

99

treiben. Mit großer Weisheit und Maͤßigung beſchloſſen da⸗ her Heinrich oder ſeine Miniſter, ſich lieber die Freundſchaft der Schotten dadurch zu erwerben, daß ſie die unmittelbaren Vortheile, welche der Sieg bei Flodden ihnen an die Hand gab, verloren gehen ließen, als einen andern Einfall zu be⸗ ginnen, der zwar unheilvoll für die Schotten werden konnte, wahrſcheinlich aber wie in den Bruce'ſchen und Baliol'ſchen Kriegen, mit großen Verluſten auch von Seiten der Englaͤn⸗ der und ihrer abermaligen Vertreibung aus dem Koͤnigreiche geendet haͤtte. Sie bedachten, daß Margarethe, Jacob's Wittwe, die Schweſter des Köͤnigs von England war, daß ſie Negentin des Koͤnigreichs werden muͤſſe, und ihr Ge⸗ burtsland natürlich in Schutz nehmen werde. Sie wußten, daß der letzte Krieg von den Koͤnige von Schottland gegen den Willen feines Volkes unternommen worden war; und in Folge einer eben ſo edeln als klugen Politik, fuchten ſie lie⸗ ber eine befreundete Macht aus Schoktland zu machen, als es durch Einfälle und Gewaltthaten in einen unde erſoͤhnlichen Feind zu verwandeln. Es wurde daher bloß an den Grenzen Krieg gefuͤhrt, allein kein großer Verſuch gegen Schottland gemacht, oder dem Anſcheine nach beabſichtigt.

Margarethe, die verwittwete Koͤnigin, wurbe Regentin don Schottland und Vormünderin des jungen Koͤnigs, Ja⸗ cob's V., der, was fruͤher bei aͤhnlichen Gelegenheiten nur zu oft der Fall geweſen war, den Thron als ein noch nicht zwei Jahre altes Kind beſtieg⸗

Allein Margarethens Anſehen erhielt einen bedeutenden Stoß durch eine ſchnelle und unkluge Heirath mit Douglas⸗ Grafen von Angus, dem Enkel des alten Bell⸗the⸗Cat. Die⸗ ſer beruͤhmte Mann hatte die unheilvolle Schlacht bei Floh⸗

7