84
den er von ſeines Vaters Dode her noch naͤhrte, gehabt zu
haben. Folgende Begebenheit wird dieſer Urſache zugeſchrie⸗
ben: Als der Koͤnig in der Kirche zu Linlithgow ſeine An⸗
dacht verrichtete, erſchien ploͤtzlich eine Geſtalt vor ihm, wel⸗ che in einen azurblauen Rock gekleidet und mit einer leinenen
Binde umguͤrtet war, Sandalen als Fußbekleidung trug,
lange gelbe Haare und ein ernſtes, befehlendes Ausſehen hat⸗
te. Dieſe Geſtalt achtete wenig oder gar nicht auf den Koͤnig
und lehnte ſich mit beiden Armen auf den Kirchenſtuhl, in
welchem der Koͤnig ſaß, und wendete ſich an ihn; die ſonder⸗
dar ausſehende Figur ſagte nemlich, daß ihre Mutter dem
Kuͤnig Jakob befehlen laſſe, den Tag, welchen er ſich zu Aus⸗
führung ſeines Unternehmens gewaͤhlt habe, zu meiden, da
weder er, noch die, welche mit ihm gehen wuͤrden, gluͤcklich feyn werden. Dieſelbe Figur warnte auch den Koͤnig vor allen Weibergeſellſchaften und ſagte:„Wenn du es dennoch thuſt, ſo wirſt du es bereuen und beſchaͤmt werden.“
Nachdem der Ungluͤcksbote dieſe Worte geſprochen hatte, ſchien er ploͤtzlich wieder verſchwunden zu ſeyn. Ohne Zwei⸗ ſel haͤttte dieſe Perſon den heiligen Johannes vorſtellen ſollen, deſſen die heilige Schrift als angenommener Sohn der Jung⸗ frau Maria erwaͤhnt. Die Katholiken hielten es fuͤr moͤglich, daß der Geiſt verſtorbener Heiligen und Apoſtel auf der Erde erſcheinen koͤnne, deshalb liest man in der Geſchichte eine Menge Betruͤgereien ſolcher Art.
Einer andern, noch weniger glaubwuͤrdigen Sage zu⸗ folge ſoll auf dem Markte zu Edinburgh um Mitternacht eine Stimme gehoͤrt worden ſeyn, welche den Koͤnig bei ſeinem Namen und allen ihm gebührenden Titeln und viele ſeiner Adeligen und Heerfuͤhrer aufgefordert habe, innerhalb vierzig Tagen vor Pluto's Gericht zu erſcheinen. Auch dieſes ſcheint


