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aber in der Wahrheit nur Vermuthungen deſſen ſind, was
wahrſcheinlich geſchehen wird. Damals befand ſich am Hofe ein Ritter, dem der Koͤnig den Namen Liebeskoͤnig ge⸗ ſchoͤpft hatte; dieſem ſagte der Koͤnig im Scherz:„Einer
Prophezeihung zufolge wird in dieſem Jahre in Schottland ein Koͤnig umgebracht; dieſes, Sir Alexander muß nun ent⸗ weder Euch oder mich angehen, da wir beide die einzigen Koͤ⸗ nige in Schottland ſind.“ Andere Begebenheiten ereigneten ſich, welche des guten Koͤnigs Ermordung verhindert haben wuͤrden, wenn man darauf geachtet haͤtte. Der Koͤnig waͤhl⸗ te waͤhrend ſeines Aufenthaltes in Perth die Abtei Black⸗ Friars zur Wohnung, da ſich weder ein Schloß noch ein Palaſt in jener Stadt befand, der ſich zu ſeiner Aufnahme geeignet haͤtte; ſeine Wachen waren bei den Buͤrgern ein⸗ quartirt; dadurch wurde die Ausführung des Complots ſehr erleichtert.
Der Koͤnig hatte den Tag nach ſeiner Ankunft bei Luſt⸗ barkeiten und Feſten zugebracht, die zur Verſchwoͤrung Ge⸗ hoͤrigen aber mit Vorbereitung ihrer Anſtalten. Sie hatten die Thuͤrenſchloͤſſer der koͤniglichen Gemache unbrauchbar ge⸗ macht, ſo daß man keinen Schluͤſſel mehr darin umdrehen konnte, die Stangen, womit die Hofthore geſchloſſen wurden,
weggenommen, und an die Bruͤcken, welche uͤber einen Damm
zum Kloſter fuͤhrten, Querbalken befeſtigt. Endlich, am 20. Februar 1437 waren alle Anſtalten zu Ausfuͤhrung ihres ver⸗ raͤtheriſchen Vorhabens getroffen, und Grahame kam aus ſei⸗ nem Schlupfwinkel mit ungefaͤhr dreihundert Mann in die benachbarten Gebirge und drang in die Gaͤrten der Abtei. Der Koͤnig hatte ſchon ſeinen Nachtrock und Pantoffeln angezogen, nachdem er den Abend mit den Edelleuten und
Frauen ſeines Hofes luſtis zubrachte, und ſich mit Romanenle⸗


