Teil eines Werkes 
95. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 2. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
Einzelbild herunterladen

91

des gelaͤhmt, weßhalb er auch nicht ins Feld ziehen konnte. Von Natur war er friedliebend, religioͤs und gerecht, alein nicht feſt: er ließ ſich leicht durch ſeine Umgebung leiten, be⸗ ſonders aber durch ſeinen Bruder, den Herzog von Albany, einen unternehmenden, Srauſamen, ehrgeizigen und verſchla⸗ genen Mann. Dieſer letztgenannte Furſt, der naͤchſte Thron⸗ erbe, falls des Koͤnigs Kinder aus dem Wege geraumt uͤr⸗ den, trachtete unaufhorlich den Herzog von Rothſay, den aͤl⸗ teſten Sohn Robert III. mit ſeinem Vater zu entzweien. Roth⸗ ſay war jung, luſtig und unordentlich, ſein Vater alt und ſtreng in ſeinen Grundſaͤtzen; deßhalb fiel es nicht ſchwer, Zaͤnkereien zwiſchen ihnen herbeizufuͤhren, wobei Albany die Auffuͤhrung des Sohnes immer im ſchlechteſten Lichte dar⸗ ſtellte.

Der Koͤnig und die Koͤnigin ſchienen der Meinung gewe⸗ ſen zu ſeyn, daß die Verheirathung des Prinzen ſeinem muͤſſi⸗ gen und zuͤgelloſen Leben ein Ende machen wuͤrde; aber Al⸗ bann, den ſie um Rath fragten, leitete die königliche amilie bei dieſem wichtigen Schritt auf eine ſchaͤndliche Weiſe. Er trug darauf an, das der Prinz die Tochter desjenigen ſchotti⸗ ſchen Edelmanns heirathen ſolle, welcher ſich zu der groͤßten Summe fuͤr die ehrenvolle Verbindung mit der koͤniglichen Familie verſtehen wuͤrde. Der maͤchtige Graf Georg von March war der, welcher am meiſten dafuͤr bot; allein obgleich der Prinz durch einen abgeſchloſſenen Vertrag mit der Toch⸗ ter dieſes Edelmannes verſprochen war, ſo hintertrieb Albanv die Heirath, als der Graf von Douglas eine noch weit groͤſ⸗

ſere Summe anbot; dieſer hatte des Koͤnigs Schweſter zur Frau und wuͤnſchte nun, daß ſeine Tochter den Thronerben

heirathen ſollte. Sie wurden guch getrant, jedoch in einer ungluͤcklichen Stunde.