—. 92 welcher ſtatt des Entflohenen mitfechten wolle, eine Beloh⸗ nung anzubieten. Vielleicht meinſt Du, es ſey ſchwer gewe⸗ ſen, einen Mann zu bekommen, welcher fuͤr eine geringere Belohnung ſich den Geſahren eines Gefechts underziehen woll⸗ te, das hoͤchſt wahrſcheinlich hartnaͤkig und geſaͤhrlich ausfal⸗ len wuͤrde; aber in dieſer triegeriſchen Zeit ſchaͤtzten die Leute ihr Leben nicht hoch. Ein gewiſſer Heinrich Wynd, Buͤrger von Perth und Sattler ſeiner Profeſſion⸗ bot ſich fuͤr eine halbe franzsſiſche Krone an, in die Reihen des Clan Chattau einzutreten: er hatte krumme Beine, aber er war auſſeror⸗ dentlich ſtark und flink, und wußte ſein Schwert wohl zu fuͤhren.
Nun wurde das Zeichen zum Angriff mittelſt Trompeten und Froßer hochlaͤndiſcher Kriegepfeifen gegeben, worauf die beiden Partheien mit ungeheurer Wuth aufeinander loszogen; ihre angeborne Wildheit wurde durch den Haß, den ſie gegen den feindlichen Clan hegten, durch ihren Ehrgeiz und durch das Bewußtſeyn, daß ſie in Gegenwart des Koͤnigs und der Adelichen von Schottland kaͤmpfen, noch geſteigert. Da ſie mit ſehr großen Schwertern und Aerten auf einander loshie⸗ ben, ſo waren die Wunden, die ſie ſich beibrachten, graͤßlich. Kopfe wurden geſpalten und Glieder vom Leibe weggehauen, ſo daß dieſe Wieſe bald mit Blut uͤberſchwemmt und mit Verwundeten und Leichnamen bedeckt war. 152
Mitten waͤhrend dieſer toͤdtlichen Schlacht bemerkte der Anfuͤhrer des Claus Ehattau, daß Heinrich Wynd, nachdem er einen des Clans Kay erlegt hatte, bei Seite ging und nicht fortkaͤmpfen zu wollen ſchien; da ſagte er:„Was iſt „das? Biſt Du ſchon abgeſchreckt?“„Das bin ich nicht,“ antwortete Heinrich,„aber ich habe fuͤr eine halbe Krone „genug gethan.“


