81 Die Geſchichte Roberts II. enthaͤlt nicht viel wichtiges; doch wurden weniger Kriege mit England gefuͤhrt und die Schotten hatten ſich in der Kriegskunſt bedeutend verbeſſert, wovon folgende Beiſpiele zum Beweis dienen moͤgen.
Im Jahre 1385 wurden die Franzoſen in ihrem eigenen Lande von den Englaͤndern ſehr gedrangt, deßhalb entſchloſſen ſie ſich eine Armee nach Schottland zu ſchicken, dieſer Nation gegen die Englaͤnder beizuſtehen und ſo die letztgenannten in ihrem eigenen Lande zu beſchaftigen. Dieſem zufolge ſendeten ſte tauſend wohlbewaffnete und gut ausgeruüſtete Ritter und Edelleute nach England; da jeder von dieſen vier bis fuͤnf Soldaten unter ſich harte, ſo bildeten ſie eine betraͤchtliche Macht; auch ſendeten ſie den Schotten 1200 vollkommene Waffenruͤſtungen nebſt einer bedeutenden Summe Geldes zu Unterſtutzung des Krieges. Dieſe Heeresmacht wurde durch Johann von Vienne, Großadmiral von Frankreich, einen tapfern und ausgezeichneten Feldherrn, commandirt.
Mittlerweile hatte Richard II., Koͤnig von England, ſei⸗ nerſeits eine vielleicht groͤßere Armee formirt, als je ein Koͤ⸗ nig von England zuvor eine ſolche commandirte; mit dieſer marſchierte er an die ſchottiſche Graͤnze. Die Schotten hat⸗ ten auch bedeutende Streitkrafte vereinigt, ſo daß der franzoͤ⸗ ſiſche Admiral auf eine hartnaͤckige Schlacht gefaßt war. Er redete die ſchottiſchen Edellente alſo an:„Ihr habt immer geſagt, daß, wenn Ihr einige hunte t bewaffnete Franzoſen haͤttet, die Euch beiſtehen wollten, Ihr den Englaͤndern eine Schlacht liefern wuͤrdet. Nun ſind wir da, um Euch zu hel⸗ fen, laßt uns alſo eine Schlacht liefern.“
Die Schotten antworteten, daß iſie das Schickſal ihres Landes nicht in einer Schlacht auf das Spiel ſetzen wollen;
W. Scott's Werke. XCVI. 6


