Teil eines Werkes 
95. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 1. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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von England gelegen war, ſo wuͤnſchten die Englaͤnder ſehr, es zu behalten; ebenſo wuͤnſchten die Schotten es zu beſitzen.

An einem Faſtnachtabend, welchen die roͤmiſch⸗katholi⸗ ſchen Chriſten als Feſt betrachteten und durch allerley Luſt⸗ harkeiten und Gaſtmahle feierren, hatte ſich der groͤßte Theil der Garniſon Rorburgh bei froͤhlichem Mahle gelagert, je⸗ doch zu Vermeidung eines Ueberfalls mehrere Wachen auf die Mauerzinnen aufgeſtellt; denn da den Schotten ſchon ſo manche Unternehmungen der Art gelungen waren, und da man Douglas in der Naͤhe wußte, hielten ſie ſich ſelbſt fuͤr verpflichtet auf ihrer Hut zu ſeyn.

Dort befand ſich auch eine Englaͤnderin, die Frau eines Officiers; die, ihr Kind in ihre Arme ſchließend, auf den Mauerzinnen ſaß; ſie ſchaute von dort auf die Felder hinab und bemerkte einige ſchwarze Gegenſtaͤnde welche mit einer Viehheerde Aehnlichkeit hatten, die ſich nicht weit von der Schloßmauer umher zerſtreue, und dem Schloßgraben naͤhere, Sie zeigte dieß der Schildwache und fragte ſie, was das ſeve? Ah! antwortete der Soldat,das iſt das Vieh eines Paͤchters(wobei er den Namen eines, nahe am Schloß woh⸗ nenden Paͤchters nante)dieſer gute Mann macht ſich eine zuſtige Faſtnacht und hat vergeſſen ſeine Ochſen in dem Hoſ⸗ raum einzuſchließen; wenn aber Douglas ihnen vor Tagess anbruch begeanet, ſo wird jener ſeine Nachlaͤßigkeit bereuen. Dieſe daherſchleichenden Gegenſtaͤnde, welche ſie von der Schloßmauer aus ſahen, waren wahrhaftig keine Viehheerde, ſondern Douglas mit ſeinen Soldaten, welche ihre Waffen mit ſchwarzen Maͤnteln bedeckt hatten und auf allen Vieren krochen, um, ohne erkannt zu werden, ſich der Schloßmauer ſo zu nahern, daß ſie Leitern aulegen konnten. Die arme Frau⸗ uslch nichts von dem wußte, ſaß ruhig sui der Mau⸗