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Fallgatter auf. Sobald der Wagen unter dem Thorgewöͤlbe angekommen war, gab Binnok ſeinem Knecht ein Zeichen, worauf dieſer die Straͤnge durchhieb; die Pferde, welche ſich nun frei fuͤhlten, ſprangen naruͤrlich vorwarts, waͤhrend der Wagen ſtehen blieb. Zu gleicher Zeit ſchrie Binnok, ſo laut
er konnte:„herbei! herbei!“ und hieb mit ſeinem Schwerdt, das er unter ſeinen Bauernkleidern verborgen hielt, den Pfoͤrtner nieder. Die bewaffneten Maͤnner ſchluͤpften ſodann aus dem Heu hervor, unter welchem ſie verſteckt lagen, und ſtuͤrzten auf die engliſche Wache los. Die Englaͤnder verſuch⸗ ten hierauf die Thore zu ſchließen, aber ſie konnten nicht, weil der Heuwagen unter dem Thorgewoͤlbe ſtand und die Fluͤgelthuͤren aufhielt, dann wurde das Fallthor herabgelaſ⸗ ſen, aber das Gitter fing ſich im Wagen und konnte deshalb nicht auf den Boden fallen. Nachdem die nahe am Thore in Hinterhalt gelegten Maͤnner den Ruf,„herbei! herbei!“ ge⸗ hoͤrt hatten, ſprangen ſie denen, welche aus dem Heu ge⸗ ſchluͤpft waren, zu Huͤlfe. Das Schloß wurde genommen und alle Englaͤnder entweder niedergemacht oder gefangen genommen. Koͤnig Robert belohnte Binnok dafuͤr mit ei⸗ nem Lehen, in deſſen Beſitz ſeine Nachkommen noch lange blieben.
Vielleicht machen Dir, mein liebes Kind, dieſe Geſchicht⸗ chen lange Weile; jetzt werde ich Dir aber nur noch erzaͤhlen, wie das große und wichtige Schloß Rorburgh den Englaͤndern genommen wurde, und dann erſt wollen wir andere Gegen⸗ ſtaͤnde abhandeln.
Du mußt wiſſen, Rorburgh war damals ein ſehr großes Schloß, nahe an den Fluͤſſen Tweed und Liviot gelegen, wo ſie ſich mit einander verbinden. Da es nur 5— Meilen


