Teil eines Werkes 
95. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 1. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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geſchehen, wodurch ſodann das Thorgewoͤlbe geſchloſſen wird; unten ſind große eiſerne Spitzen angebracht, welche alles auf dem Boden liegende zerquetſchen. Ein ſolches Fallthor kann im Fall eines ſchnellen Allarms, wenn man nicht mehr Zeit hat, die rechten Thore zu ſchließen, ploͤtzlich herabgelaſſen und dadurch dem Feinde das Eindringen verwehrt werden. Binnock wußte dieſes wohl, deßwegen verſaͤumte er auch die noͤthige Vorſicht nicht, als er das Schloß zu uͤberfallen ver⸗ ſuchte. 3

Er verabredete ſich mit einigen beherzten Landleuten, hewog ſie, ihn in ſeinem Vorhaben zu unterſtuͤtzen, und fuͤhr⸗ te es auf folgende Art aus. 1

Binnok hatte die Garniſon Linlithgow gewoͤhnlich mit Heu verſehen und erhielt daher eines Tages vom engliſchen Befehlshaber den Auftrag einige Fuhren zu liefern. Er ver⸗ ſprach es zu bringen; aber die Nacht zuvor ehe er mit dem Heu in das Schloß fuhr, ſtellte er einen Theil ſeiner Freunde, ſo gut als moͤglich bewaffnet, nahe am Eingang auf, woſelbſt ſie von der Garniſon nicht geſehen werden konnten und er⸗ theilte ihnen die Weiſung, daß ſie ihm zu Huͤlfe ſpringen ſollen, ſobald ſie ihn die Worteherbei, herbei, ſchreien hören. Dann lud er einen großen Wagen voll Heu, in wel⸗ chem er acht ſtarke, gut bewaffnete Maͤnner, flach auf der Bruſt liegend, ſo verbarg, daß ſie unmoͤglich geſehen werden konnten. Er ſelbſt ging unbefangen neben dem Wagen her und beſtimmte den ſtaͤrkſten und kuͤhnſten ſeiner Knechte zum Fuhrmann, dieſer mußte eine ſtarke Art oder ein Beil in ſeinem Guͤrtel tragen. Auf dieſe Art naͤherte ſich Binnok des Morgens ſehr fruͤhe dem Schloſſe; die Schildwache, wel⸗ che nur zwei Maͤnner ſah, wovon der eine Binnok war, der drs erwartete Heu litſerte, oͤffnete die Thore und zog das