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er und ſang ihrem Kinde etwas vor. Der Name Douglas naͤmlich war den Englaͤndern ſo furchtbar, daß die Weiber gewoͤhnlich ihre Kinder damit ſchreckten und ihnen ſagten, wenn iſte nicht brav ſeyen,„ſo werde ſie der ſchwarze Doug⸗ las holen.“ So ſang auch des Officiers Frau:
„So ſey doch ſtill, Du kleiner Wicht,
Sey nur ruhig, er frißt Dich nicht.
Der ſchwarze Douglas kriegt Dich nicht.“
„Das wißt Ihr noch nicht gewiß,“ fuͤſterte eine Stim⸗ me hinter ihr her. Sie fuͤhlte zugleich eine gewichtige Hand mit einem eiſernen Handſchuh auf ihrer Schulter und als ſie ſich umſah, erblickte ſie wahrhaftig denſelben ſchwarzen Doug⸗ las dicht neben ihr, von dem ſie ſo eben ſang, einen langen, ſchwarzen, ſtarken Mann. Zugleich ſah ſie einen andern Schotten nahe bei der Schildwache, die Mauer heraufſteigen. Der Soldat machte Lärm und ſtach mit ſeiner Lanze nach dem Schotten, welcher Simon Ledehouſe hieß; aber Simon parirte den Stoß, wurde mit der Schildwache handgemein und brachte ihr mit ſeinem Dolche einen toͤbtlichen Stich bei. Die uͤbrigen Schotten erſtiegen vollends die Burg, unter⸗ ſtuͤtten Douglas und Ledehoufe und nahmen ſie ein. Viele der Soldaten kamen ums Leben, aber die Frau mit ihrem Kinde wurde durch Douglas beſchuͤtzt. Ich darf es wohl ſa⸗ gen, ſie ſang nie mehr von dem ſchwarzen Douglas.
Während Douglas, Randolph und andere treuherzige Patrioten den Englaͤndern Schloͤſſer und feſte Plaͤtze abnah⸗ men, marſchierte Koͤnig Robert mit einer betraͤchtlichen Ar⸗ mee durch Schottland, und ſchlug und ſprengte alle die eng⸗ liſchen Corps, welchen er begegnete. Er begab ſich in den noͤrdlichen Theil Englands, beſiegte die große und maͤchtige Fantlie Comyn's, die wegen dem von ihm an Comyn dem


