96 ihan, daß er ſich an jedem, welcher es wagen werde, von ſeines Vaters Schloß Beſitz zu nehmen, raͤchen wolle, fuͤrch⸗ tete ſich Jedermann vor ihm; ſowohl in England als in Scho tland wurde dem Schloß Douglas der Beiname„das gefahrliche“ gegeben, weil es fuͤr jeden Englaͤnder, der dahin commandirt worden, ſehr gefaͤhrlich war. Nun mein lieber Hugo mußt Du wiſſen, daß in dieſen kriegeriſchen Zeiten kein Maochen einen Mann geheirathet haben wuͤrde, der ſich nicht durch Tapferkeit ausgezeichnet haͤtte; ein Feiger, er moͤge noch ſo reich und hochgeboren geweſen ſeyn, wurde allgemein verachtet. Daher war es ublich, daß die Fraͤulein von ihren Liebhabern oder von denjenigen Rittern, die ihnen gefallen wollten, Beweiſe ihres Muthes verlangten, die in einer außerordentlichen Waffenthat oder Tapferkeit anderer Art be⸗ ſtanden, worauf ſie erſt erhoͤrt wurden. Zu jener Zeit, von welcher hier die Rede iſt, lebte in
„England ein junges Fraͤulein, um welche ſich eine Menge
Ritter und Edelleute bewarben, weil ſie nicht nur außeror⸗ dentlich reich, ſondern auch ſehr ſchön und liebenswuͤrdig war. Einſt gab ſie an einem heiligen Tage ein großes Feſt, wozu ſie alle ihre Bewerber und viele andere galante Ritter ein⸗ lud; nach dem Mittagsmahle ſtund ſie auf, dankte ihuen fuͤr die gute Meinung, die ſie von ihr haben, ſagte aber, daß, da ſie zu ihrem Gatten nur einen Mann von unzweideutigem Muthe waͤhlen werde, ſie keinem ihre Hand reichen wolle, der nicht das feſte Schloß Douglas Jahr und Tag gegen die Schotten vertheidigt haben wuͤrde. Auf dieſe Aeußerung hin verſtummten die anweſenden Edelleute; denn obgleich das Fraͤulein reich und ſchoͤn geweſen, ſo war es keine Kleinigkeit und gefahrvoll, ſich mit dem guten Lord Jacob Donglas zu
meſſen.


