Teil eines Werkes 
95. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 1. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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29 wurde das Feudalſyſtem genannt. Dieß war in ganz Eui ropa mehrere Zeitalter hindurch allgemein eingefuͤhrt.

Viele dieſer großen Kronvaſallen, wie z. B. die Herzo⸗ ge der Normandie, wurden außerordentlich maͤchtig; dann machten ſie Frieden und Krieg nach ihrem eigenen Gutdun⸗ ken, ohne Wiſſen und Zuſtimmung des Koͤnigs von Frank⸗ reich, ihres Souverains. Auf die naͤmliche Weiſe bekriegten ſich haͤufig die Vaſallen der großen Vaſallen unter ſich, denn Krieg war damals eine allgemeine Beſchaftigung; waͤhr end die armen Leibeigenen(von denen ich oben eine Er klaͤrung machte), welche eigentlich den Boden bebauten, den groͤßten Muͤhſeligkeiten unterzogen waren, geyluͤndert und mißhan delt wurden. Der hohe und niedere Adel ruͤckte zu Pferd ins Feld, in Ruͤſtungen von Stahl gekleidet, reich mit Gold und Silber verziert; man nannte ſie Ritter und Junker. Sie bedienten ſich langer Lanzen, mit denen ſie ungeſtuͤme auf einander zuritten; außerdem waren ſie noch mit Schwert und Keule bewaffnet, um Mann gegen Mann ſtreiten zu koͤnnen, wenn die Lanze zerbrach. Die Nichtadelichen mar⸗ ſchirten zu Fuß aus und waren mit Pfeil und Bogen bewaff⸗ net, welche man, je nach ihrer Geſtalt, lange oder Querbo⸗ gen nannte; mit dieſen konnte man auf eine gewiſſe Entfer⸗ nung ſeinen Mann toͤdten; man bediente ſich dieſer ſtatt der Flinten und Kanonen, welche damals noch nicht erfunden waren. Die armen Landleute waren genothigt, mit ſolchen Waſſen, die ſie eben gerade beſaßen, ine Feld zu ziehen, und es kam gar nicht ſelten vor, daß wenige der Ritter und Junker viele Hundert der ſchlechtbewaffneten Landleute nie⸗ derritten und in die Flucht jagten; da die Adelichen in voͤlli⸗ ge Ruͤſtungen eingehuͤllt waren, konnten ſie ſich wohl einiger Beſchaͤdigung ausſetzen, waͤhrend die armen Bauern kaum