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meines Vaters schreiben, der noch bey meinem Bruder Neville dasselbe Amt bekleidete.— In- deſs der Erbe meines Bruders bin ich nicht, Herr Oldbuck!¹*
«Nicht? Das thut mir leid, Mylord! Es ist ein schönes Gut, und die Ruinen des alten Schlos- ses Nevillesburg allein, welche zu den herrlich- sten Ueberresten der anglo-normannischen Bau- kunst in dieser Gegend gehören, könnten mir schon Lust zu seinem Besitze machen. Ich glaubite, Ihr Vater hätte keinen andern Sohn oder nähern Erben gehabt?“
«Sie haben Recht, Herr Oldbuck,» versetzte Lord Glenallan;«allein mein Bruder nahm po- litische Grundsätze und eine Religionsform an, welche von denen, wozu man sich stets in uns- rem Hause bekannt hatte, gänzlich abwichen. Unser ganzes Wesen war sehr verschieden, und meine unglückliche Mutter war immer der Mey- nung, er lasse es an dem ihr schuldigen Gehor- sam fchlen. Kurz, es entstand ein Familien- zwist, und mein Bruder, der über sein Eigen- thum völlig disponiren konnte, bediente sich die- ses Rechts, und setzte einen Fremden zum Erben ein. Ich habe diesen Umstand nie als eine Sache von Wichtigkeit betrachtet, denn wenn irdischer Besitz Elend lindern kann, so hab' ich dessen mehr als zu viel. Allein jetzt sollt' es mir leid thun, wenn, wie der Fall sich wohl ereignen


