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99. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 5. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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Maria empſteng die traurige Nachricht mit der hoͤchſten Standhaftigkeit.„Die Seele,“ fagte ſie,„ſet der Freuden des Himmels unwüͤrdig, die vor dem Streiche des Nachrich⸗ ters zuruͤckbebe. Sie habe,“ fuͤgte ſie hinzu,„nicht erwar⸗ tet, daß ihre Verwandte in ihren Tod willigen werde, allein ſie unterwerfe ſich nichtsdeſtoweniger willig ihrem Schickſale.“ Sie bat dringend um den Beiſtand eines Prieſters; allein dieſe Gunſt, die den aͤrgſten Verbrechern bewilligt wird, und auf welche die Katholiken ein beſonderes Gewicht legen, wur⸗ de ihr grauſamerweiſe verweigert. Die Koͤnigin ſchrieb hier⸗ auf ihren letzten Willen und kurze und liebevolle Abſchieds⸗ briefe an ihre Verwandten in Frankreich.— Sie theilte un⸗ ter ihre Bedienten die Koſtbarkeiten aus, die man ihr gelaſ⸗ ſen hatte, und bat ſie, ſie moͤchten ſie um ihretwillen behal⸗ ten. Damit brachte ſie den Abend vor dem zur Hinrichtung feſtgeſetzten Tage zu..

Den 8. Februar 1587 wurde die Koͤnigin, die noch im⸗ mer dieſelbe ruhige und gelaſſene Haltung zeigte, die ſie bei ihrem ſogenannten Verhoͤre an den Tag gelegt hatte, in die große Halle des Schloſſes gefuhrt, wo ein Blutgerüſte auf⸗ gerichtet war, auf welchem ſich ein Block und ein Stuhl be⸗ fanden. Das ganze war mit ſchwarzem Duche bedeckt. Ihr Haushofmeiſter, Sir Andreas Meloille, erhielt die Erlaub⸗ niß, einen letzten Abſchied von der Gebieterin zu nehmen, der er ſo lange und treu gedient hatte. Er brach in laute Klagen aus, beweinte ihr Schickſal, und beklagte ſich ſelbſt, daß er dazu beſtimmt ſey, eine ſolche Nachricht nach Schott⸗ land zu bringen.„Weinen Sie nicht, mein guter Melvil⸗ le,“ ſaate die Koͤnigin,„ſondern freuen Sie ſich vielmehr; denn Sie werden heute Maria Stuart von allen ihren Be⸗

W. Scou's Werke. XCIX. 5