63 wuͤrde der Nerſuch eines Fuͤrſten, eine Handlung zu begehen, wie die, welche Eliſabeth im Schilde führte, wa hrſcheinlich durch das edle und maͤnnliche Gefuͤhl der Gerechtigkeit und Humanitaͤt, das einem freien und hochherzigen Volke, wie die Englaͤnder, eigen iſt, vereitelt worden ſeyn. Allein die deſpotiſche Regierung Heinrichs VIII. hatte die Englaͤnder mit dem Anblicke des Bluts groß zer Perſonen, und ſelbſt Koͤniginnen, das unter den geringfi uͤgigſten Vorwaͤnden durch Henkers Hand vergoſſen wurde, vertraut gemacht; und der
Gedanke, daß Eliſabeths Leben nicht in Sicherheit ſeyn konn⸗
te, ſo lange Maria lebte, war, in Betracht ihrer tiefen An⸗ haͤnglichkeit an ihre Koͤnigin,(welche dieſelbe des allgemeinen Charakters ihrer Regierung wegen wohl verdiente) maͤchtig genug, um ſie blind gegen die Ungerechtigkeit zu machen, die an einer Fremden und Katholikin ausgeuͤbt wurde.
Allein trotz aller Vorurtheile ihrer Unterthanen zu ihren Gunſten haͤtte Eliſabeth doch gewuͤnſcht, Maria's Tod waͤre auf eine ſolche Art erfolgt, daß es geſchienen haͤtte, ſie ſelbſt habe keinen Antheil an ei ſelhen gehabt. Ihre Miniſter er⸗ hielten den Auftrag, Briefe an Maria's Waͤchter zu ſchrei⸗
ben, und ihnen zu bedeuten, welch einen guten Dienſt ſie
der Koͤnigin Eliſabeth und der proteſtantiſchen Religion er⸗ weiſen wuͤrden, wenn Maria im Geheimen ermordet werden koͤnnte. Allein dieſe rauhen Waͤchter wollten, obſchon ſie in ihrem Betragen gegen Eliſabeth puͤnktlich und ſtreng waren,
von ſolchen Vorſchlaͤgen nichts wiſſen, und gut war es für ſie, daß ſie ihnen kein Gehoͤr ſchenkten, denn Eliſabeth haͤt⸗
te ſicherlich die ganze Schuld der That auf ihre Schultern geworfen, und ſie mit ihrem Leben und Vermoͤgen dafuͤ buͤßen laſſen. Sie zuͤrnte ihnen gleichwohl, und nannte


