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weſen ſeyn— ſie war ſicherlich ſehr thoͤricht und unbeſonnen geweſen— gleichwohl aber verdiente ſte die Guͤte und das Mitleid ihres Bruders. Sie hatte ihn mit Gunſtbezeugungen uͤberhaͤuft, und ihm große Beleidigungen verziehen. Unſtrei⸗ tig erwartete ſie mehr Wohlwollen von ihm, als er ihr er⸗ wies. Allein Murray war ehrgeizig, und der Ehrgeiz durch⸗ bricht die Bande des Bluts und vergißt die Verpflichtungen der Dankbarkeit. Er beſuchte ſie auf dem Schloſſe Lochleven, allein nicht, um ihr Troſt zu bringen; im Gegentheil fuͤhrte er ihr alle ihre Irrthuͤmer mit einer ſolchen hartherzigen Strenge zu Gemüth, daß ſie in Stroͤme von Thraͤnen aus⸗ brach, und ſich der Verzweiflung uͤberließ.
Murray nahm die Regentſchaft an, und zerriß dadurch alle noch uͤbrigen Bande der Zaͤrtlichkeit zwiſchen ihm und ſeiner Schweſter. Er ſtand jetzt an der Spitze der herrſchen⸗ den Partei, die aus den ſogenannten Lords des Koͤnigs(The King's Lords) beſtand, waͤhrend derjenige Theil des Adels, welcher wuͤnſchte, die Koͤnigin, die jetzt von Bothwell's Ge⸗ ſellſchaft befreit war, moͤchte in Freiheit geſetzt, und die Ver⸗ waltung des Koͤnigreichs wieder in ihre Haͤnde gegeben wer⸗ den, die Partei der Koͤnigin(the Queen's Party) genannt wurde. Murray's ſtrenge und kluge Regierung brachte die letztgenannte Partei eine Zeitlang zum Schweigen und zur Unterwuͤrſigkeit; allein ein ſonderbarer Vorfall veraͤnderte die Geſtalt der Dinge einen Augenblick, und troͤſtete die unglück⸗ liche Maria durch einen Strahl von Hoffnung.
Der Laird von Lochleven, Sir William Douglas, Ei⸗ genthuͤmer der Feſte, in welcher Maria gefangen ſaß, war von muͤtterlicher Seite ein Halbbruder des Regenten Murray. Dieſer Baron verwaltete das Amt eines Kerkermeiſters der Maria mit ſtrenger Treue; allein ſein juͤngſter Bruder, Georg


